VfL Bochum – Tus Ickern 29:25 (8:13)
Für Fixe: Nach einer ersten Hälfte, in der beim VfL wenig zusammengeht, werden die Stellschrauben in der Pause leicht justiert und starke 30 Minuten behalten beide Punkte in der Festung am Lohring.
Es gibt Dinge, die gehören einfach zusammen – Handball und Harz, Bochumteller und Fiege, laue Sommerabende und Herumlungern und dummes Zeug erzählen vor der Halle. Genauso gibt es auch klare Gegensätze – Schwarz und Weiß, Dortmund und Schalke, Bierwarte und alkoholfreies Radler. Eher in der zweiten Gewichtsklasse boxen die beiden Halbzeiten, die der VfL im drittletzten Saisonspiel auf jene Bretter zaubert, die die Handballwelt bedeuten. In der Heimfestung am Lohring, in der schon so manche Schlacht geschlagen wurde, stand mit dem Duell gegen den TuS Ickern das nächste Spiel auf Augenhöhe an. Dem Hinspiel hatte die Abteilung Jugend bei den Bochumern mit aller Macht seinen Stempel aufgedrückt und Ickern in eigener Halle und bei eigener Trainingszeit gnadenlos vom Feld geballert. Auch zum Rückspiel standen mit Diego und Noah zwei Bochumer Nachwuchsballermänner bereit, die üblichen Verdächtigen hatten ebenfalls ihren Weg in die Katakomben gefunden. Wie schon im ersten Aufeinandertreffen bringt Ickern das ganze Dorf mit, eine körperlich beeindruckende Welle an Handballfleisch baut sich auf Seiten der Gäste auf. Für den VfL heißt es, an eine schon jetzt erfolgreiche Kreisligasaison noch eine formschöne Schleife dranzutackern. Siege gegen Ickern und zum Beispiel in der Folgewoche beim PSV Recklinghausen würden dafür sorgen, dass Bochum mit einem positiven Punktekonto die Spielzeit beschließen könnte. Genau dafür schwört der Knorrwart seine Mannen noch einmal ein, genießen und miteinander Spaß am geilsten Sport der Welt haben.
Spaß haben in den ersten Minuten aber nur Connaisseure von gepflegtem Defensivhandball. Nach acht Minuten steht es 2:2, beide Mannschaften haben ordentlich Sand um Getriebe. Der Ball läuft gerade beim VfL noch nicht flüssig, das Angriffsspiel dümpelt zu nah an der Deckung herum und macht es dem Alt-Internationalen auf der Spitze der 5-1-Deckung zu einfach. Bis zum 5:4 nach 13 Minuten geht das gut, weil die blaue Wand guten Zugriff aufs Spiel hat. Mit zunehmender Spieldauer lässt sich der VfL aber von einem Gegner einlullen, der lange Angriffe spielt und aus der Nahdistanz zu oft den Kreis sucht und findet. Dazu hat Schnapper David wohl etwas zu früh zum Öl gegriffen, lässt mehrere platzierte, aber nicht unhaltbare Bälle aus dem Rückraum durch die Finger rutschen. Bis zur 25. Minute setzt sich Ickern auf 7:13 ab, eine Auszeit vom Trainergespann muss die Bochumer wieder aufbauen. Sofortmaßnahmen schicken den Gute-Laune-Glücksbär Fabi ins Tor, der direkt einen Strafwurf über das Tor guckt und bis zur Pause eine jetzt wieder aktivere Abwehr stabilisiert. In die Kabine geht es trotzdem mit einem 8:13-Rückstand.
Auch wenn die Stimmung in der Kabine gelinde gesagt angespannt ist, ist das Schlechteste an diesem Spiel bisher das Ergebnis. Natürlich hat der VfL Luft nach oben, aber eine aggressivere Abwehr und ein wenig mehr Fokus im Angriff werden in der zweiten Halbzeit den Sieg bringen.
Auch ohne den verhinderten Jonas Knaust kommt die Stroop-Sieben wie die Feuerwehr aus der Kabine. Zwei schnelle Tore zum 10:13 bringen die Mannen im Dunkelblaumann wieder in Schlagdistanz und auch wenn Ickern beim 11:16 und 12:17 den alten Abstand wieder herstellen kann, hat sich der Charakter des Spiels geändert. Bochum hat Blut geleckt, zockt jetzt mit mehr Intensität und einem höheren Tempo. Ein Doppelschlag von Tausendsascha Behnke zum 15:17 zwingt den TuS zur Auszeit. In diesem Timeout kocht allerdings nur Stroopolix sein Süppchen, beordert seine Mannen in eine noch klarere Angriffsrotation mit mehr Zug zum Tor und legt so den Grundstein für ein starkes Finish. Unter den Augen von Präsident Robert Grosche versucht der Gast, das Spiel nicht nur zu verschleppen, sondern auch durch Härte und Nickeligkeiten den VfL aus dem Fokus zu bringen. Diese Rechnung haben die Handballer aus Castrop-Rauxels einwohnerstärkstem Stadtteil aber ohne den Herrn auf Halbrechts gemacht. Sascha mit Nickeligkeiten und Härte aus dem Konzept zu bringen ist ähnlich erfolgsversprechend wie der Versuch, nach einem Donnerstagstraining die Kiste Bier vor der Bande zu verstecken oder einen Fisch zu ertränken. Beim 19:20 nach 49 Minuten geht Ickern noch einmal in Führung, aber die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern: Die Punkte werden in Bochum bleiben. Der heute mit acht Toren aus neun Versuchen nervenstarke Leo Hardam setzt rotzfrech zwei Strafwürfe mit kumuliert 7,439 km/h Wurfgeschwindigkeit in die Maschen und hinten steht die Deckung endlich. Vor einem starken Fabi Gohl befehligt Kühlschrank Mika Wiltheiß, der an diesem Abend für eine ganze Schrankwand gut ist, eine beweglichere Deckung, bei der als Krönung Mark Stinn auf Rechtsaußen mit einer solchen Kompromisslosigkeit seinen Gegenspieler ins Wacholdergefängnis schickt, dass der Mannschaft dämmert, warum Bochums Partywart im zivilen Leben auch in einer Wattenscheider Lehranstalt Halbstarken Paroli bieten kann. 24:41, 26:22, auch den Gästen wird langsam klar, dass das in der Pause schon sicher gewonnene Spiel nicht wirklich gewonnen ist. Dass dem Halblinken daraufhin die Sicherungen durchbrennen und ein freundschaftliches Gerangel mit Sascha für beide in der Möglichkeit endet, sich frühzeitig die beste Dusche zu sichern, nimmt Bochums zweiarmiger Bandit doch eher als Arbeitsnachweis. Das letzte Tor des Abends erzielt von Rechtsaußen noch einmal Zaubermaus Alex Cousen, bevor mit 29:24 klar ist: Die Punkte bleiben im Lohring, die Festung steht.
Unter dem Motto „Schwach angefangen, stark nachgelassen und dann kam Sascha“ zeigt der VfL janushaft zwei Gesichter, kann aber mit einer couragierten und erwachsenen Leistung in den zweiten 30 Minuten die Partie noch umbiegen. Klarer Trumpf ist auch hier die Breite im Kader. Während Ickern mit wenigen Ausnahmen die Startbesetzung durchspielen lässt, bringt der VfL auch in der 50. Minute noch frische Beine von der Bank. Hinter einem klaren Führungsquartett in der Kreisliga, welches sich bis zum letzten Spieltag einen spannenden Kampf um den Aufstieg liefern wird, etabliert sich Bochum mit diesem Sieg als „Best of the Rest“ und grüßt auch zwei Spieltage vor Saisonende von Platz 5. Weiter geht es auf der Abschiedstournee dieser Saison am kommenden Samstag in Recklinghausen.
Spieler des Spiels wird ein Mann, der sich gerne für die Mannschaft verprügeln lässt und für den Gelb keine Strafe, sondern ein Arbeitsnachweis ist. Sascha erzielt nicht nur fünf Tore, sondern zeigt wie so häufig auch, wie wichtig die richtige Einstellung zum Handball ist.
Den Spruch des Tages liefert (natürlich) Paul Ruppersberger, der ein altes Bonmot nochmal erweitert: Die haben wir richtig am Eis schlecken lassen, die haben unten sogar schon dran geknabbert. Die hatten das Lätzchen in der Pause schon umgebunden.
Am Ende das Hörnchen genüsslich vertilgt (und dabei die Halle geputzt, viel dummes Zeug erzählt und einfach eine geile Truppe gewesen) haben:
David Knorr (TW), Fabi Gohl (TW), Max Birkemeier, Alex Cousen (2), Patrick Heyer, Diego Jakobs (3), Mark Stinn (1), Mika Wiltheiß (3), Gordon Kempkes, Max Lorenz, Leo Hardam (8/2), Sascha Behnke (5), Noah Werner (6), Matthias Plewnia (1), Niklas Willrodt, Jannik Kocian.