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Spielberichte 1. Herren

In die Ferne schweifen lohnt sich nicht

PSV Recklinghausen 2 – VfL Bochum 37:30 (15:18)

Für Fixe: Gute erste, schlechte zweite Hälfte und am Ende eine klare Niederlage für eine Rumpftruppe des VfL.

Das letzte Auswärtsspiel in der Kreisligasaison grüßt mit fantastischem Wetter und einem weiteren Spiel auf Augenhöhe. Nach der Aufholjagd gegen Ickern in der Vorwoche war die Stimmung beim VfL eigentlich gut – eigentlich, da unter der Woche solch lästige Nebensächlichkeiten wie Krankheit, Verletzung und Arbeit ihre hässlichen Fratzen gezeigt hatten. Nachdem das Trainerteam sich vom Schwindel des auf Hochdruck rotierenden Personalkarussells erholt hatte, war eine absolute Rumpftruppe übriggeblieben. Mit den Hardam-Brüdern, Happy und Chef-Heiopei Sascha Behnke fehlte ordentlich Tempo im Rückraum, was mit den weiteren Abwesenheiten von Gordon Kempkes, Noah Werner und Lasse Benking nur unzulänglich aufgefangen werden konnte. Viel Last würde also auf den Schultern von Diego Jakobs und Omar Abdulaziz liegen, unterstützt durch reichlich Erfahrung von Kapitän Jannik Kocian und Patrick Heyer. Immerhin hatte sich nach langer Verletzungspause der Knihser wieder auf den Spielberichtsbogen gemogelt und auch beim Treffpunkt mit der VfL-typischen Schnauze sein Comeback gegeben. Im Hinspiel hatte Bochum den in Recklinghausen heimischen PSV in einem Kampfspiel knapp schlagen können, die Gastgeber stellten in ihrem letzten Heimspiel aber die volle Kapelle auf, hatten direkt 16 Mann auf den Spielbericht gemogelt.

Dem Hinspielergebnis entsprechend motiviert startet Recklinghausen auch in die Partie. Die ersten drei Buden gelingen den Gastgebern, der VfL scheitert bis zum 4:1 zu oft durch etwas zu unvorbereitete Würfe. Kurz geschüttelt, etwas mehr Konsequenz ins Spiel gebracht und schon läuft es. Über 5:4 und 9:6 fehlt etwas das Spielglück, aber beim 10:7 nimmt der PSV die erste Auszeit und spielt damit wie so viele Gegner diese Saison Stroopolix in die Karten. Bis zum 13:10 in der 18. Minute kann der Gastgeber den Abstand noch konstant halten, dann beginnt der Knorrwart im Tor mit einer dollen Viertelstunde. Mehrere freie Würfe landen an den ausladenden Gräten des Schnappers, der seine Bande lautstark nach vorne peitscht. Zwei schnelle Tore des auch heute wieder Gegner auf kleinstem Raum ins Leere schickenden Diego Jakobs und eine Hütte von Roman Saure sorgen beim 13:13 für den ersten Ausgleich der Halbzeit. 106 Sekunden vor dem Pausenpfiff steht es beim 15:15 noch Pari, dann nagelt Max das Spielgerät in gewohnter Manier in den Kasten, Omar nutzt die Erfahrung von Kapitän Jannik und wirft einfach dahin, wo der Torwart nicht ist und zwei Sekündchen vor dem 30:00 auf der Uhr findet ein wunderschöner Diagonalball von Wacholderboy Mark auf Außen nach einer Knorrwartparade Diego, der zum 15:18-Pausenstand einnetzt.

Euphorisiert, aber auch schon abgekämpft geht es für die Bochumer in die Kabine. Die erste Halbzeit ist gut, in der zweiten muss das Tempo etwas gedrosselt werden, punktuelle Überfälle in erste und zweite Welle sind relevant. Diese Geschwindigkeit nochmal über 30 Minuten wird der Gast nicht halten können.

In der Kabine lässt der VfL aber einige wenige Prozentpunkte unter der abgesessenen Holzbank liegen. Es fehlen im Vergleich zum ersten Durchgang nur Nuancen, die aber entscheidend sind. Als perfektes Beispiel profiliert sich David im Tor, der an den ersten fünf Bällen der Halbzeit dran ist, aber keine Parade für sich verbuchen kann. Statt gehaltenen Bällen gibt es jetzt Gegentore. Ebenso treffen die Ballermänner im Angriff jetzt Pfosten und Latte, aber eben nicht mehr ins Tor. Vier Minuten nach der Pause geht Recklinghausen 20:19 in Führung, nach 37 Minuten steht es schon 24:21. Jetzt schlägt die dünne Personaldecke gnadenlos zu. Kann ein langsamer, kontrollierender Spielstil noch funktionieren, wenn Bochum dieses Spiel von vorne spielen kann, ist das bei einem Rückstand nicht mehr möglich. Bis zur 54. Minute entgleitet dem VfL das Spiel komplett, beim 36:26 hat die Partie das Potenzial, so richtig hässlich zu werden. Zum Ende berappelt sich die Mannschaft aber nochmal, zeigt Intensität und Moral und verkürzt auf 37:30. Exemplarisch für die Moral ist Kreislaufkante Nicki, der seinem Gegenspieler erst den Ball aus den Händen reißt und dann dem Torwart um die Ohren knallt.

Unterm Strich bleiben beide Punkte verdient in Recklinghausen, Bochum kann in den entscheidenden Phasen in der zweiten Halbzeit einfach nicht mehr personell nachlegen. Eben jene Breite, die die Mannschaft über die Saison so ausgezeichnet hat, ist heute nicht da. Überragende Einzelaktionen wie von Omar und Diego tragen im Mittelfeld der Kreisklasse dann nicht über ein ganzes Spiel. Großen Anlass zur Beunruhigung gibt es aber nicht, eine solche Abwesenheitswelle ist selten und bereits am kommenden Samstag zum Saisonabschluss wird der Kader deutlich besser gefüllt sein. Apropros Saisonabschluss: Am 09.05. geht es für den VfL aus Bochum im letzten Kreisligaspiel der Saison gegen Scherlebeck darum, vielleicht das entscheidende Zünglein im Meisterschaftskampf zu sein. Die Gäste aus Herten stehen aktuell an der Tabellenspitze und wollen mit einem Auswärtssieg in die Bezirksliga aufsteigen. Für das leibliche Wohl wird gesorgt sein, Anwurf in der Festung am Lohring ist um 17:00.

Der Spruch des Tages entspringt der nie versiegenden Quelle vom Stinnikopter, der im Kontrast zu Abwehrgeneral Mika seine leicht niedrigere Körpergröße kommentiert: Ich sehe mich weniger als Kühlschrank, eher als Kühlbox.

Spieler des Spiels wird Wirbelwind Diego, der nicht nur 8 Tore wirft, sondern auch mit einem stetigen Grinsen Gegenspieler in den Wahnsinn treibt.

In Recklinghausen Schindluder getrieben haben: David Knorr (TW), Fabi Gohl (TW), Paul Ruppersberger, Max Birkemeier (5), Omar Abdulaziz (7), Diego Jakobs (8), Patrick Heyer (3), Jannik Kocian (1), Roman Saure (5), Mark Stinn, Sebastian Knihs, Niklas Willrodt (1).