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Spielberichte 1. Herren

Das Mojo ist zurück

VfL Bochum – DJK Westfalia Welper 2 37:34 ( 18:19)

Für Fixe: Gegen das Kellerkind aus Welper braucht Bochum nach komplett verpenntem Start gut 45 Minuten, um richtig auf Touren zu kommen, biegt das Spiel aber am Ende durch die Kaderbreite verdient um.

Drei Siege aus vier Spielen, 6:2 Punkte und 121:94 Tore – die Leistung der Bochumer Handballer im März 2026 kann sich nach den schwierigen Wochen des Jahresanfangs durchaus sehen lassen. Zur ganzen Wahrheit und um im Bochumer Zug die Euphoriebremse zumindest ein wenig anzuziehen, gehört allerdings auch, dass Hattingen, Gladbeck, Westerholt und ETG alle eher in der unteren Tabellenhälfte anzusiedeln sind. Vor der Osterpause kam über die Koster Brücke die Zweitvertretung von Westfalia Welper in die Heimfestung nach Wiemelhausen gefahren. Welper grüßt aktuell aus unteren Tabellenregionen und hatte im Hinspiel nach einer offenen ersten Halbzeit dem Sturm und Drang der Bande nichts mehr entgegenzusetzen. Die Punkte aus Bochum zu entführen baumelt aber als einer der letzten Strohhalme vor der Nase der Hattinger Gäste, die entsprechend mit Feuer in den Adern auf das Spielfeld stürmen.

Dem vollen Kader, den die in grün gewandete DJK auffährt, stellt der VfL eine bunt gemischte Truppe entgegen und präsentiert sich als Mannschaft der Versehrten, Verletzten und fast Vergessenen. Die Abwesenheit von Ferdi Hardam, Max Birkemier, Jannik Kocian, Sascha Behnke, Roman Saure, Max Lorenz und allen Kreisläufern bis auf Mika Wiltheiß hat dafür gesorgt, dass das Trainerteam Stroop/ Wiegand a) den rekonvaleszierenden Gordon Kempkes für „nur fünf Minuten Ball nach Links und Rechts spielen“ belabert hat (wir merken uns das) und b) in einer nebelverhangenen Neumondnacht auf dem Bochumer Zentralfriedhof die von Hoffnung, Spucke und Sturheit zusammengehaltenen Überreste von Chefzerstörer Patrick Heyer ausbuddelt, durch ein dunkles, Gerüchten zufolge aus Dortmund importiertes nekromantisches Ritual mit Fiege-Pils, exzessiven Beleidigungen und meterweise Tape dem Kadaver wieder unheiliges Leben einhaucht und am Spieltag ein Trikot über die Karkasse stülpt. Junge, alte Bekannte wie Diego, Lasse oder Lennard sind dabei schon so sehr Normalität, dass eine Erwähnung nicht notwendig wirkt. Zur Feier des Tages und, wie um die Aufhebung des Welperschutzes für die Gäste zu begießen, erscheint wie von Zauberhand eine Bierflasche auf dem Platz des Wacholderboys – leider leer.

Raus aus der Vorbereitung, rein in die Partie, in die Springfloh Leo Hardam in Abwesenheit des Capitano den VfL mit der metaphorischen Binde am Arm führt. Mit dem Anpfiff fällt das Heimteam aber geradezu magisch in einen 368-Sekunden-Schlaf, ist zu Spielbeginn gar nicht präsent und offenbart vor allem in der Deckung beachtliche Lücken. Die logische Konsequenz heißt 3:8, dann 5:9. Da Bochum spielt wie Flasche leer, greift Stroopolix auf der Bank zur Zitat „besten Einwechslung der ganzen Saison“. Energizer-Bunny und Kraftriegel Corny hat die Schulter kaputt und ist eigentlich nur für fünf Minuten Ballgeschiebe eingeplant, bringt das gewisse Etwas, was manchmal so schwer zu beschreiben ist. Hier und heute ist es aber einfach in Worte zu fassen – kompromisslose Gewaltbereitschaft gegen den fremden und eigenen Kadaver. Wie ein gelenkter Flugkörper schlägt Gordon ein, stabilisiert die Deckung sofort und sorgt im Angriff für die dringend benötigte Tiefe im Spiel. Bochum kommt auf 11:12 heran, muss dann aber durch zwei leichte technische Fehler auf 11:14 abreißen lassen. Zeit für Ass Nummer Zwei. Patrick Heyer kommt von der Bank, jagt den ersten Ball im Angriff mit Urgewalt durch die Hände des Torwarts in die Kiste und sorgt hinten für noch mehr Stabilität. Bis zur Pause schaffen es die Buben, mit 18:16 in Führung zu gehen, machen es dann aber dem gegnerischen Torwart zu leicht und müssen zur Pause einen 18:19-Rückstand hinnehmen.

Das Spiel läuft nicht wie erwartet, die Stimmung in der Kabine ist entsprechend geknickt. Das Positive ist, dass ordentlich Luft nach oben bleibt. Die Deckung wird besser stehen, Welper wird den Mut der Verzweiflung langsam verlieren und in der zweiten Hälfte nicht das Tempo der ersten 30 Minuten halten können und wenn dann noch der Abschluss verbessert wird, steht den nächsten zwei Heimpunkten nichts im Wege.

Zur Hälfte kommt Fabi Gohl für den guten, aber nicht überragenden Knorrwart ins Tor und verspricht erstmal, vom bis hierhin starken und gut eingebundenen Kreisläufer alles zu halten. Trotz der großen Klappe braucht es zehn Minuten, bis der Mut in die eigene Stärke beim VfL wiederkommt. Es steht 25:26, als ein Timeout der Gäste den aufkommenden Spielfluss der Bochumer zu unterbrechen sucht. So einfach lässt sich die Bande aber nicht aufhalten. Fabi schnappt sich mehr und mehr Bälle, löst unter anderem sein Kreisläuferversprechen ein, in der Deckungsmitte harmonieren der furchtlos in Zweikämpfe stürzende Lennard Bader und der Abwehrgeneral Mika Wiltheiß besser, über 28:27 und 30:29 legt der VfL stetig vor. Vorne zeigen sich vor allem Diego Jakobs und Leo Hardam spiel- und wurffreudig, über 33:31 und 34:32 kann Welper nicht mehr ausgleichen. Die Gewissheit, dass die letzten zehn Minuten, die Crunchtime, VfL-Zeit sind, kondensiert vor allem in der Abgezocktheit von Zaubermaus und Schlitzohr Alex Cousen, der mit der Erfahrung unzähliger geschlagener Schlachten erst hinten die richtigen Akzente im richtigen Moment setzt und vorne seinem Gegenspieler keine Wahl lässt, als so zuzulangen, dass der rote Karton der Schiedsrichter unausweichlich ist. Am Ende bleibt der DJK nur noch Ergebniskosmetik, beim 37:34 bleiben beide Punkte in Bochum.

Lange Zeit gerade in der Deckung sicherlich kein gutes Bochumer Spiel, denn die vielen fehlenden Spieler und wechselnden Besetzungen der letzten Wochen merkt man der Abgestimmtheit und dem Zusammenspiel ebenso an wie die Tatsache, dass die Trainingseinheit am Dienstag regelmäßig eher als eine mögliche Abendgestaltung gesehen wird anstatt als Pflichttermin. Trotzdem haben die Moral und die Einstellung gestimmt, zusammen zocken und Spaß am sportlichen Wettbewerb und am gemeinsamen Sieg zu haben klappt weiterhin. Ob in guten oder in schlechten Saisonphasen, der Zusammenhalt beim VfL ist einfach bombastisch, wenn es diese Truppe nicht gäbe, müsste man sie erfinden. Aus diesem Selbstverständnis und Vertrauen in die eigene Stärke erwächst auch dieser Erfolg, der sich passend zum Handballtempel in Wiemelhausen aus dem Glauben an den VfL speist. Dass mit dem 35. erzielten Tor und der nach dem Spiel fachgerecht geleerten Flasche Luft auch aus einer Kühlboxsicht eine Luftneutralität über den Spieltag gesichert ist, ist ein weiterer Pluspunkt. Nach zwei Wochen Osterpause und Eiersuche geht es für den VfL am 18.04. in Wattenscheid in den Saisonendspurt, wo mit dem TV und auch Westfalia Scherlebeck noch das ein oder andere Topteam geärgert werden kann.

Der Spruch des Tages entfleucht im Getümmel der Trikotverteilung vor dem Spiel einem anonymen Bochumer, der seine falsch zugeordnete Trikotgröße wie folgt kommentiert: Könnte schlimmer sein, du könntest eine Glatze haben.

Nicht nur von ihrem wallenden Haupthaar, sondern auch von einer überbordernden Spielfreude gepackt sind Leo und Diego beide nicht zu stoppen. Insgesamt 22 Tore, brüderlich auf 11 und 11 geteilt, sprechen eine klare Sprache. (Diego entzieht sich dem Beweisfoto durch fadenscheinige Ausreden.)

Für den VfL den März wunderbar abgerundet haben: David Knorr (TW), Fabi Gohl (TW), Alex Cousen, Mika Wiltheiß (1), Patrick Heyer (1), Diego Jakobs (11), Mark Stinn, Paul Ruppersberger, Gordon Kempkes (2), Leo Hardam (11), Lennard Bader, Matthias Plewnia (5), Lasse Benking (6).