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Spielberichte 1. Herren

Ein Hardam kommt selten allein

SG Linden-Dahlhausen – VfL Bochum 37:31 (20:14)

Für Fixe: Eine gute Halbzeit reicht dem krisengeschüttelten VfL im Derby nicht zum Sieg. Die Leistung und Moral nach der Pause machen aber Mut.

Zwei happige Niederlagen hintereinander haben den Männern des VfL Bochum die handballerische Laune gehörig vernagelt, wobei sowohl Rauxel als auch Waltrop eher in den höheren Regalbrettern der Kreisliga zu finden sind. Auch gegen gute Gegner ist Verlieren jedoch nicht vergnügungssteuerpflichtig, was für die Bochumer Bande bedeutet, dass gegen Linden der spielerische Bock umgestoßen werden muss. Pünktlich wie die Bogestra hat das Trainerteam Stroop/ Wiegand passend zum 308-Derby fleißig am Linkshänderbaum gerüttelt. Neben der lang ersehnten Rückkehr von Speedy Roman Saure, die – obgleich Roman seltsam bleich und irgendwas von „Didaktik“ stammelnd mit stark atrophierten Gliedmaßen in die Halle gestolpert kam – ordentlich Tempo ins Bochumer Spiel zurückbringen soll, gibt mit Ferdinand Hardam der jüngere Bruder von Springfloh Leo sein VfL-Debüt. Besonders schön ist, dass die ehemals Erziehungsberechtigten beim zweiten Hardam-Spross aus den Fehlern des ersten Versuchs gelernt haben und frühzeitig den rechten Arm mit etwas Panzertape auf dem Rücken fixiert haben, Ferdi also die rechte Seite beackern kann.

Mit ordentlich Power und einem gut gefüllten Spielberichtsbogen geht es in ein Derby, in dem die Gegner im Hinspiel stark ersatzgeschwächt klar unterlegen waren. Rückspiele in Linden sind aber wie so oft eine Wundertüte – und schon beim Warmmachen zeigt sich, dass bei den Gastgebern aus dem Bochumer Süden deutlich mehr bekannte Gesichter zu finden sind als in der Hinserie.

Im Spiel braucht Neuzugang Ferdi genau 41 Sekunden, um auf sich aufmerksam zu machen. Während der Gegenspieler in der Deckung noch zu ergründen versucht, wo der dynamische Halbrechte des VfL so schnell hin verschwunden ist, legt der die Kugel zum ersten Treffer in die Maschen. Davon angestachelt trifft auch Leo doppelt, beim 2:4 nach fünf Minuten ist der als weißes Ballett auflaufende Gast gut in die Partie gestartet. Dann aber kommt das mangelnde Selbstverständnis, in der Deckung wird Lars Wegge, der sich den Start mit guten Leistungen der letzten Wochen mehr als verdient hat, zu häufig allein gelassen und im Angriff fehlt die Klarheit. Zu hektische Abschlüsse und zu schnelle Ballverluste bedingen, dass die SG Li-Da das Spiel dreht und mit 11:9 in der 18. Minute die Stroop-Sieben stetig auf Abstand hält. Trotz aller Anstrengung entgleitet dem Aufsteiger die Partie jetzt mehr und mehr. Beim 14:9 sind es schon fünf Tore Unterschied und auch wenn Matthias Plewnia die Kugel von Außen aus einem unmöglichen Winkel ins Tor wämmst und Capitano Jannik mit Urgewalt trifft – ein Kocian ist eben kein Sikorski – bleiben es Einzelaktionen, die Hoffnung spenden. Gerade in der Deckung wird der letzte Pass, der letzte Abschluss häufig noch zugelassen, nicht konsequent genug der Torwurf verteidigt. Als logische Konsequenz geht es mit 20:14 in die Kabine.

In den kleinen und mit Sitzmöglichkeiten überschaubar ausgestatteten Katakomben der Halle am Schulzentrum Linden geht es um die Einstellung. Die Gastgeber spielen nickelig, hart, mit vollem Einsatz – ein Derby eben. Bisher lassen sich die Gäste den Schneid abkaufen – es bleiben 30 Minuten Zeit, um das zu ändern.

Die zweite Halbzeit ist angepfiffen, der VfL braucht knappe fünf Minuten, um wach zu werden. Dann kegelt der heute flinke und für fünf Tore gute Diego Jakobs einen ganz wichtigen Ball bei vollem Körperkontakt in die Torwartecke und läutet so die Glocke zur Aufholjagd. Hinten kauft der Knorrwart, dem man mangelnde Emotionalität und Lautstärke für seine Farben nur schwerlich vorwerfen kann, dem bisher starken Rechtsaußen der Gastgeber zwei Bälle aus gutem Winkel ab, vorne ist jetzt mehr Tiefe im Spiel, der Ball läuft flüssiger. 23:20, 24:22 – der VfL streckt seinen blau-weißen Kopf nochmal aus dem in der ersten Halbzeit selbst geschaufelten Loch und meldet an, dass es sich hier tatsächlich um ein Handballspiel handelt. Beim 25:24 ist das Spiel komplett offen, Linden bleibt bei seiner Linie und spielt auch die kleinen Dinge mit Derbyhärte. Ein Einsatz im Gegenstoß gegen Diego, eine kleine Rangelei nach dem Pfiff – die Gemüter kochen langsam hoch, die Derbyhärte kommt. Mit den hochkochenden Emotionen lässt sich der Gast aber auch wieder zu Fehlern hinreißen. Einige zu schnelle Abschlüsse, zu einfache Gegentore und schon führen die Gastgeber mit vier Hütten. Eine Auszeit von Trainer Stroop unterbricht den Lauf, kann aber das Runde auch nicht ins Eckige zwingen, sechs Minuten vor dem Ende steht es sogar 32:26, der Auszeit-Buzzer erklingt ein zweites Mal. Einen letzten Pfeil hat Trainerdruide Stroopolix noch im Köcher und diesen zieht er konsequent: Manndeckung und vorne schnelle Abschlüsse, vielleicht klappt es. Ergebnis vorweggenommen – tut es nicht – denn in den letzten Spielminuten wird der bis dahin gute, aber nicht überragende Torhüter aus Linden zum Faktor, kauft mit seiner Erfahrung den noch jungen Schützen des VfL Ball um Ball ab. Am Ende trennen sich Bochum und Bochum 37:31, der VfL verliert sein erstes Stadtderby der Saison.

Puh, die dritte Niederlage mit über 30 Gegentoren im dritten Spiel – und trotzdem ist das Gefühl anders als in den vorherigen Spielen. Die zweite Halbzeit hat zwar keine Punkte mitgebracht, aber eine VfL-Leistung gezeigt, auf der die Mannschaft aufbauen kann. Genauso wie die Mechanismen und Selbstverständlichkeiten aus siegreichen Phasen nicht über Nacht verpufft sind, genauso braucht es auch Zeit, Geduld und vor allem den Willen, zu arbeiten, um wieder besser zu werden. Die nächste Gelegenheit, zu zeigen, dass die 30 Minuten im Derby nicht nur ein Strohfeuer waren, folgen Schlag auf Schlag. Innerhalb von neun Tagen stehen Duelle mit Hattingen, Gladbeck und Westerholt an – eine Chance für den VfL, sich zu zeigen, die fast so unwiderstehlich ist wie das satte und klebrige Geräusch eines frisch eingeharzten Spielgeräts, welches in wartende Hände gerät. Anwurf zum Nachholspiel ist in der Halle an der Markstraße um 20:15.

Der Spruch des Tages kommt dieses Mal von der Bank des im vorherigen Kreisklassespiels angetretenen TB Beckhausen, die ob Personalmangels ihren langährigen Schnapper auf Rechtsaußen parken: Der war Torwart, der kann kein Handball spielen.

Handball spielen kann auf jeden Fall der Spieler des Spiels: Ferdi hat nicht nur als starker Anker in der Deckung und pfiffiger Vorlagengeber im Angriff brilliert, sondern mit der ersten Einzelaktion direkt nach Anwurf gezeigt, wo mit etwas mehr gemeinsamem Training die Reise hingehen kann. (Im Bild zeigt sich zudem, dass bei allem Torwarttraining die sportliche Leistung von Torvernagler Lars Wegge keine Rückschlüsse darauf zulässt, ob der Mann weiß, wie man Perücken richtig aufsetzt).

Für den VfL in Linden alles in die Waagschale geworfen haben: David Knorr (TW), Lars Wegge (TW), Max Birkemeier (3), Noah Werner (2), Alex Cousen (1), Diego Jakos (5), Max Lorenz (1), Niklas Willrodt, Ferdinand Hardam (2), Leo Hardam (7/2), Roman Saure (5), Matthias Plewnia (3), Jannik Kocian (1), Torben Nolting.