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Spielberichte 1. Herren

Standortbestimmung in Rauxel

HSG DJK Rauxel-Schwerin – VfL Bochum 35:29 (17:14)

Für Fixe: Jugendliche Spielfreude und treffsichere Außen reichen im Auswärtsspiel in Castrop nicht, um die schwachen zehn Minuten nach der Pause zu kompensieren. Der VfL zahlt bei eingespielten Gästen Lehrgeld, kann aber auf dieser Leistung aufbauen.

Eine klitzekleine, durch mangelnde Spieler bedingte Verlegung des Spiels gegen PSV Recklinghausen, ein reguläres, spielfreies Wochenende und schon sind seit dem Derbysieg in Riemke zweiundzwanzig Tage vergangen. Eine lange Zeit, in der sich das Trikot nicht formschön über den Körper spannt, der sportliche Kampf mit den Vandalen des durch andersfarbige Lumpen geschmückten, feindlichen Stammes das Herz keineswegs erwärmt und die Pfeife des Schiedsrichters ihre Töne nicht so malerisch ans Trommelfell schmiegt. Der VfL hat in dieser Zeit in stetig wechselnder Besetzung die konsequente Verjüngung weiter vorangetrieben, zeitweise stromern mehr als zehn Spieler durch die Halle, die zu Beginn der letzten Saison noch nicht im Kader standen. Zu diesen zehn Spielern gehören mit Tobias Hegemann und Colin Villani zwei Neuzugänge, die den Weg in die Reihen der Bochumer Bande gefunden haben. Gefunden hatte auch die Bande den Weg nach Rauxel, wo die dortige HSG als ordentlicher Brocken aufwartet. Lediglich eine Niederlage in Welper befleckte die ansonsten weiße Weste der Gastgeber, die im Normalfall ein starkes Tempospiel mit einer guten zweiten Welle mit wuchtigen Durchbrüchen zu kombinieren wissen. Dieser eingespielten Truppe stellte Trainerfuchs Sven Wiegand, der spontan noch zu einem von einigen Spielern hinreichend frequentierten Teamabend am Samstag geladen hatte, die Abteilung Jugend forscht entgegen. Sechs Spieler mit direkter Tuchfühlung zur A-Jugend, dazu die Rückkehr von Springfloh Leo Hardam und 15 Spieler auf dem Spielberichtsbogen. Die Marschrichtung ist wie so oft klar, auch in dieser Partie muss Bochum aufs Tempo drücken.

Zu Beginn ist es aber trotz Jugendbewegung Tobi Hegemann, der mit geballter Handballerfahrung das Heft des Handelns in die Hand nimmt, den Ball gut laufen lässt und früh klare Wurfchancen herausspielt. Die Pille, jener heute harzfreie Quell von Freud und Leid, will aber einfach nicht ins Tor. Gewöhnung an die lockere Linie des Schiedsrichters, das Justieren des Visiers, im Abschluss startet Bochum mit Sand im Getriebe. Hinten erfüllt dafür Niklas Willrodt die Trainervorgabe perfekt und setzt mit der ersten gelben Karte in der ersten Aktion ein klares Zeichen. Die Körperlichkeit in der Deckung und ein Paraden-Triple des Knorrwarts können einen 5:1-Start der Gastgeber aber nicht verhindern und beim 7:3 scheint der Spielfilm der Partie quasi geschrieben. Weil Handball aber nicht im Konjunktiv erzählt wird, erzielt Colin sein Debüttor, der Doppelgordon von Halbrechts stellt auf 8:7 und plötzlich ist das Spiel wieder offen. 10:9, 11:11, Bochum bleibt jetzt auf Tuchfühlung und absolut auf Augenhöhe. Mutiges Spiel auf die Nahtstellen und eine starke Rückzugsbewegung sind in dieser Phase die Trümpfe der Gäste, die das Niveau nicht komplett bis zur Pause halten können. Wenn die Intensität nur ein wenig nachlässt, bestraft Rauxel die Fehler sofort. Gerade individuelle Fehler brechen den Flow der Bochumer immer wieder, die mit einem 14:17-Rückstand in die Kabine gehen.

Für die zweite Halbzeit gibt es eine klare Prämisse: Dagegenhalten. Das Spiel ist schon in den ersten 30 Minuten hart und beide Seiten zeigen sich nicht als Kinder von Traurigkeit. Neben aller körperlichen Intensität darf der VfL aber auch das Handballspielen nicht vergessen.

Aus der Pause kommt Bochum auf Augenhöhe, kann bis zum 19:16 den alten Abstand konstant halten. Dann ist es aber ein Strafwurf der Gastgeber, den der für den Knorrwart in den Kasten rückende Lars Wegge fachmännisch am Tor vorbeiguckt, der zu einem Bruch im Spiel des VfL führt. Ein wenig bekommen die Zuschauer das Gefühl, die Bande hätte Bammel vor der eigenen Traute. Das Spiel wirkt seltsam unentschlossen, ohne Druck auf die Deckung und Mut zum Tor. Bis zur 42. Minute reißt Rauxel das Spiel an sich, stellt unter anderem mit einem 6:0-Lauf auf 28:19. Gerade in diesen zehn früher typischen Minuten merkt der geneigte Betrachter, dass dem Gast die eingespielten Abläufe und die Selbstverständlichkeit für die einfachen Dinge fehlt – Umbruch und eine junge Mannschaft haben eben Nachteile. Aufgeben gehört aber nicht zur Bochumer DNA und so trifft Leo Hardam patentiert frech vom Strich, Lars sammelt still und heimlich Parade um Parade und beim 29:23 keimt ein ganz zartes Pflänzchen Hoffnung auf. Beim 31:24 wenige Minuten später wirkt dieses fast erstickt, bricht sich aber lautstark Bahn, als Gordon zum 31:27 einnetzt. Ganz nach oben reicht es aber nicht mehr, die technischen Fehler fordern ihren Tribut und gegen die Abgezocktheit der Gastgeber, die die letzten Minuten souverän herunterspielen, ist heute kein Kraut gewachsen. Zum Schluss ziert ein 35:29 die Anzeigentafel.

Der VfL verliert am Ende auch in der Höhe verdient in Rauxel und zeigt, welche Schritte die Bande als eingespielte Mannschaft noch gehen muss. Gegen die starken Schützen und das spielerische Selbstverständnis von Rauxel fehlt noch ein Stück Reife und Konsequenz, zu oft rettet die Bochumer die Qualität der Einzelspieler. Beim Gastgeber gibt es da mehr Varianten, wenn der Rückraum nicht geht, ist es eben das Spiel über den Kreis. Trotz der Niederlage setzt es aber auch beim VfL Glanzlichter. Phasenweise sieht das Spiel gut aus, Lichtblicke wie Mo mit sieben Hütten oder die Torwartleistung von Lars Wegge in den letzten fünfzehn Minuten machen Mut für kommende Spiele. Die Saison ist noch lang, ein Rückspiel ist auch zu spielen und in den kommenden Wochen werden Gegner kommen, die Bochum schlagen muss. Der nächste Gegner findet sich am kommenden Samstag, wenn Ickern in Bochum aufschlägt.

Passend zum ersten Spiel wählt Tobi ein Handballbonmot eines ehemaligen Trainers, um die jetzt seinige Bande auf die kommende Woche einzustimmen: Der nächste Gegner heißt Gegner.

Spieler des Spiels wird der treffsichere Flügelflitzer Moritz Galbas, dessen sieben Tore aus teilweise sehr spitzem Winkel zeitweise wieder Auftrieb geben.

In Rauxel dagegengehalten haben: David Knorr (TW), Lars Wegge (TW), Lasse Benking (3), Erik Kirchberg (4), Tobias Hegemann, Moritz Galbas (7), Tillmann Stagge, Sebastian Knihs (1), Gordon Kempkes (4), Leo Hardam (6/3), Lennard Bader (1), Colin Villani (1), Sascha Behnke (1), Noah Werner (1), Niklas Willrodt.