HSC Haltern Sythen III – VfL Bochum 27:29 (14:15)
VfL Bochum – Westfalia Welper II 25:35 (12:18)
Für Fixe: Ein Sieg der Moral und des Willens zum Saisonauftakt, dann im zweiten Spiel von einer erfahrenen Truppe klassisch abgekocht – der VfL unter den neuen Trainer-Triumvirat zeigt nach 120 Minuten noch keine klare Richtung.
Führte man ein abgekämpftes, verschwitztes und nach einem kühlen Fiege lechzendes Mitglied der Bochumer Bande nach dem letzten Saisonspiel einer beliebigen Spielzeit nicht in die Katakomben des Heimfestung am Lohring, sondern in das gerade dafür in die Hallenecke geklöppelte Zelt einer Wahrsagerin und würde diesen Buben dort in eine glitzernde Kristallkugel auf einem blau-weißen Tuch blicken lassen, schreibt sich die Geschichte zwischen den Saisons fast von selbst. Größere oder kleinere Umbrüche auf und neben dem Platz, ein veritables Durcheinander bei der Hallenbelegung inklusive kurzfristiger Änderungen und ein Trainingslager mit einer absoluten Rumpftruppe. Diese Checkliste lässt sich auch im Sommer 2026 abhaken, denn die Hoffnung auf eine ruhige und ereignislose Saisonpause zerschlägt sich schon im Laufe der Rückrunde.
Das vielzitierte Personalkarussell nimmt auf den Positionen neben der Platte besonders Fahrt auf. Die bewegte und erfolgreiche Geschichte von David Stroop als Trainer der ersten Herrenmannschaft des VfL Bochum ist beendet, die Tinte getrocknet. David, der vom unnachahmlichen Rob aller Robs Rob Fischer erst das Co-Trainer und dann das Traineramt übernahm, hat nach dem unrühmlichen Abstieg aus der Herausforderung Kreisliga, welche für das durch die Wirrungen der Pandemie hochgespülte Team wahrscheinlich etwas zu früh kam, die brennende Hitze von Leidenschaft und Emotion der lodernden Feuer des Amateurhandballs gut genutzt. Mit klarer Kante und gutem Gespür wurde Hammerschlag für Hammerschlag und Sieg für Sieg die Bande geformt, eine Mannschaft, deren Zusammenhalt und Teamgefüge sie nicht nur zu einem umjubelten Aufstieg, sondern auch zu einem ungefährdeten Klassenerhalt getragen haben. Der Namensgeber der Bomber-Staffel und der Stroop-Sieben zeichnet sich dabei nicht nur durch Integrität und Charakter aus, sondern beweist auch, dass nicht nur die leisen, taktischen Töne und das Grübeln über den nächsten Spielzug das seine sind, sondern dass es manchmal auch im Karton rappeln muss. Besonderes Schmankerl für die ersten Herren waren in den letzten Jahren oft Auszeiten des Gegners, in denen Druide Stroopolix sein ostwestfälisches Geheimwissen nutzte und aus den fast heiligen Schonern des Kapitäns einen Zaubertrank destillierte, der das Geschick so mancher Schlacht noch umbog. Umfangreich begossen mit Tränen und den Flüssigkeiten, die sowohl zur inneren Desinfektion als auch zum Grillanzünden genügen, wurde der Abschied bereits hinreichend. Hiermit sei allerdings noch einmal höchst offiziell Danke gesagt. Danke Bomber, danke Stroopolix, danke David. Bis zum nächsten Mal in Bochums heiligen Handballhallen.
Die Feder für neue Geschichten führt mit Sven Wiegand ein alter Bekannter, der mit Paul Ruppersberger und Lars Sikorski ein tollkühnes Trainer-Triumvirat bildet und in der neuen Saison auf einen leicht veränderten Kader zurückgreifen kann. Sprücheklopfer und regelmäßiger Torvernagler Fabi Gohl, der sich nicht nur durch die Glanzleistung im entscheidenden Aufstiegsspiel im Bello Gladbecko unsterblich gemacht hat, verlegt sich aufs Sprücheklopfen von der Tribüne und mit Diego Jakobs und Torben Nolting verlassen wichtige Stützen auf und neben dem Feld den Verein. Kraftwürfel Gordon Kempkes wagt zwar den Weg in die Essener Handballdiaspora, wird aber vom Sirenenruf der Bande wieder eingelullt und bleibt nur ganz kurz mal weg. Neuzugänge aus der Vorsaison wie Kreisläuferkante und Kühlschrankcosplayer Mika Wiltheiss und Rückraumass Omar Abdulaziz stehen als Ausgleich genauso zur Verfügung wie die letztjährigen Jugendspieler, bei denen Schnappi Lars Wegge seine prognostizierte Reha nach schwerer Knieverletzung einfach mal um mehrere Monate verschnellert, damit der Knorrwart sich bloß nicht zu wohl fühlt. Als Kirsche auf der Torte belabert Tausendsascha Sascha dann noch seinen BHC-Bruder Bjarne zum Wechsel auf die blau-weiße Seite der Bochumer Handballer.
Einiges an Bewegung für eine Mannschaft, die bereits in der Rückrunde auf einige Säulen im Spiel bauen konnte, der aber auch damals schon eine gewisse Selbstverständlichkeit und Ruhe aus der Vorsaison durch stetig wechselnde Besetzung und mangelnde Vertrautheit aus dem Blick verloren hatte. Eine Vorbereitung, in der sich zeitweise bloß sechs oder sieben Spieler in die Halle verirrten, Wochen in Stadtparks und ohne die geliebte Harzpille und obendrauf noch ein langer Ausfall von Profi-Bierwart Matthias Plewnia – die Vorzeichen für das erste Saisonspiel in Haltern könnten besser aussehen. In der Halle am Schulzentrum tut sich der VfL quasi historisch schwer, besticht der HSC in den letzten Jahren regelmäßig dadurch, dem Gegner konsequent sein Spiel aufzudrücken und sich durch Kleinigkeiten wie Rückstände nicht aus der Ruhe bringen zu lassen – eine Mischung, mit der die Bochumer Bande ungefähr so gut kann wie der Teufel mit Weihwasser. Genug gesabbelt, was zählt, ist das Spiel auf dem Platz.
Das erste Tor der Saison gebührt Roman Saure, der Knorrwart hält direkt den ersten Gegenstoß und nach zwei Rückraumkrachern und ordentlich Tempo netzt Omar zum 4:1. Diese anfängliche Klarheit im Spiel kann Bochum aber nicht halten, leistet sich einige technische Fehler und lässt sich von den langen Angriffen der Gastgeber etwas einlullen. Nach einer Viertelstunde steht es 7:6 für den HSC, beim 8:11 durch einen Rechtsaußenkracher von Gordon Kempkes und beim 9:13 kann Bochum seinen Kontrahenten allerdings auf Abstand Haltern. Zum Ende der ersten Hälfte beweist Neuzugang Bjarne, dass der Nachname Behnke offensichtlich nicht nur zu ekliger Deckung, sondern auch zu fiesen Steals berechtigt und versenkt die Kugel zum 11:14 und 12:15. Zwei zu einfache Gegentore, davon eins durch die heute Haltern zahlreich zugesprochenen Strafwürfe, muss Bochum noch hinnehmen und geht nur mit 14:15 entsprechend angefressen in die Kabine.
Aus selbiger geht es mächtige zwanzig Minuten halbwegs erfolgreich weiter. Starke Einzelaktionen des heute wurfgewaltigen und für 18 Tore guten Rückraums halten Haltern beim 22:25 in der 52. Minute noch auf Abstand, dann ist aber der Wurm drin. Bochum beschäftigt sich mit Schiedsrichtern, den eigenen Fehlern und verliert den Faden. Drei Minuten vor dem Ende hat der Gastgeber das Spiel gedreht, führt mit einem Tor – Zeit für die Breite im Kader, Zeit für geballte Handballerfahrung. Nachdem der ewige Max Birkemeier mit drei patentierten Toren der Marke Innenpfosten-Delle-Tor seine Duftmarke gesetzt hat, heißt es in den letzten 180 Sekunden „Kapitän auf die Brücke“. Jannik Kocian übernimmt den ins Schlingern gekommenen VfL-Tanker mit all seiner Routine, hält seine geschundenen Knochen für ein Stürmerfoul in den ungestümen Laufweg des Halterner Mittelmanns und knallt vorne zwei Angriffe später auch noch die letzte Bude zum 27:29 in die Maschen.
Das war ganz wichtig. Bochum gewinnt dadurch das erste Saisonspiel knapp, aber letztendlich verdient durch die individuelle Klasse und am Ende die Moral und Tugenden, die die Mannschaft bereits in der Vergangenheit stark gemacht haben. Zur Chronistenpflicht gehört es allerdings, auch das zweite Saisonspiel gegen die Zweitvertretung von Westfalia Welper zu dokumentieren.
Im Gegensatz zum knappen Auftakt in Haltern ist dieses Spiel schnell erzählt. Trotz einer verbesserten Spielanlage ist auch Welper eine erfahrene Mannschaft, die sich nicht beirren lässt und den sprichwörtlichen Stiefel klar herunterspielt. So weit, so unproblematisch, kommt der VfL doch in die deutlich verbesserte Spielanlage und auch das Tempospiel, bei dem es noch in Haltern gehapert hat, bringt die PS auf den Hallenboden. Über die gesamte Spieldauer bringt eine solche Leistung aber wenig, wenn der Ball einfach nicht ins Tor will. Der VfL, der eigentlich eher Mitglied der Maurermeister-Innung ist, macht ein kurzes Schnupperpraktikum im Schrottsektor und verwandelt Pfosten und Latte konsequent zu Altmetall und schießt den Welperaner Torwart als Krönung noch erst warm und dann zum Helden. Folgerichtig setzt es im ersten Heimspiel eine klare Niederlage.
Zwei Spiele, zwei Punkte und so wirklich schlauer ist man beim VfL immer noch nicht. Gute Ansätze und starke Phasen in beiden Spielen wechseln sich mit überhasteten Passagen und unnötigen Fehlern ab. So richtig im Flow wirken die Maschinen aus den Wiegand-Werken noch nicht, die nächste Chance wartet allerdings schon am kommenden Samstag beim Lokalderby in Riemke. Das Potenzial ist beim VfL auch in dieser Saison vorhanden, die klare Marschrichtung und Maßgabe muss „Einspielen“ und „Zusammenwachsen“ sein, damit vor einer kleinen Pause nach den ersten drei Saisonspielen die Stimmung gut bleibt.
Für die gute Stimmung sorgt zumindest der Spruch der ersten zwei Wochen. Max kloppt nach einem Pass des auf dem Boden liegenden Omar auf den durchbrechenden Jannik raus: Omar, der auf dem Boden liegt, ist eben gefährlicher als Jannik, der läuft.
Spieler des Spiels aus Haltern wird Kurzzeittourist Gordon, der in Blau sowieso besser aussieht und sogar per Stemmwurf aus dem Stand trifft.
Im zweiten Spiel zeigt Fabi, dass er ohne Handball gar nicht kann und dass seine Rente genau ein Saisonspiel gedauert hat. Er springt für den verhinderten Knorrwart ein und hält in der zweiten Halbzeit gewohnt ungefähr alles (bis auf die Klappe).
In Haltern die Saison erfolgreich gestartet haben: David Knorr (TW), Lars Wegge (TW), Max Birkemeier (3), Klaus Stagge (4), Lennard Bader (2), Moritz Galbas, Sebastian Knihs (1), Mika Wiltheiß, Gordon Kempkes (3), Bjarne Behnke (3), Roman Saure (2), Sascha Behnke (1), Niklas Willrodt (1), Jannik Kocian (1), Omar Abdulaziz (8).
Im Heimspiel gegen die Niederlage gestemmt haben sich: Lars Wegge (TW), Fabi Gohl (TW), Erik Kirchberg (2), Lennard Bader, Sebastian Knihs (3), Gordon Kempkes (1), Leo Hardam (10/6), Max Lorenz (2), Omar Abdulaziz (5), Noah Werner, Mika Wiltheiß, Mark Stinn, Jannik Kocian (2).