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Teamgeist ungleich Sportsgeist

Teamgeist ungleich Sportsgeist

VfL Bochum – TV Beckrath 29:25

Preseason – die Vierte. Um den späten Saisonbeginn zu kompensieren und Wettkampfpraxis in die teilweise neue Truppe zu bekommen, hat sich das Trainerteam der VfLer dazu entschieden, gegen jeden zu testen, der nicht schnell genug den Harzpott versteckt hat. Nach Niederlagen gegen Hagen, Hüls und Huttrop (vielleicht liegt es am Anfangsbuchstaben) stand am vergangenen Donnerstagabend mit dem TV Beckrath ein Gegner in der Halle, der den weiten Weg aus dem Gladbacher Raum auf sich genommen hatte, um endlich mal wieder die Pille in den Pfoten zu haben.

Auf die Platte kam der VfL ohne einige potentielle Stammkräfte im Rückraum allerdings wie in den letzten Wochen im entspannten Testspielmodus. Im Angriff fehlte der Druck auf die Deckung, die notwendigen Wege wurden zwar gegangen, waren gegen die offensive 3-2-1-Deckung der in grün angetretenen Gäste allerdings zu oft zu parallel zum Kreis und nicht auf die Schnittstellen. In der Deckung fehlte die letzte Konsequenz, insbesondere der notwendige Schritt auf die wuseligen Halben wurde oft nicht gemacht. Folgerichtig kann die Fischer-Sieben ihre Klasse kaum auf die Platte bringen und geht nach 20 Minuten mit 9:9 in die erste Besprechung.

Nach der kurzen Pause, in der vor allem mehr Beweglichkeit ohne den Ball vorne und hinten angemahnt wurde, ging es wieder ins Spiel. Im zweiten Drittel wurde es gerade im Angriff noch ein wenig konfuser, technische Fehler luden die Gegner zu schnellen Gegenstößen ein und nur der Kreisläufer konnte für etwas Lichtblicke sorgen, als er mit der gesamten gegnerischen Mannschaft im Schwitzkasten aus sechs Metern Pass um Pass verwertete. Aus dem zweiten Drittel, in dem das Spiel immer hitziger wurde, ging der VfL mit einigen Toren Rückstand beim 16:19.

Beim letzten Mal Durchschnaufen wurde es etwas lauter, es wurde beschworen, sich zusammen für gelungene Aktionen zu feiern und anzustacheln. Teamwork makes the dream work und so. Auf der Platte konnte die Fischer-Sieben hinten jetzt die berühmte blaue Wand Stein um Stein konstruieren und kam doch einmal ein Ball durch, stand der Torwart jetzt deutlich besser und bekam die Butterfinger regelmäßig an den Ball. Auch vorne wurden die Lücken größer, das Spiel deutlich geradliniger – sogar Mittelmannlegende Rob Fischer durfte mitwirken, wenn auch nur auf Rechtsaußen – und am Ende stand ein gerechtfertigter 29:25-Erfolg.

Leider gehört es auch zu einem Spielbericht, die unschönen Seiten eines Spiels anzusprechen. Bei aller berechtigten Kritik an der Schiedsrichterleistung und bei allen so wichtigen Emotionen, die immer bei einem körperbetonten Spiel hochkochen, kann der Handball eigentlich immer für sich beanspruchen, ein fairer Sport zu sein, wo alle Beteiligten nach dem Spiel zusammen eine Kaltschale genießen können. Eigentlich ist hier das Stichwort. Wie Trainer Rob schon sagte: Wenn wir als Mannschaft uns mit allem anderen beschäftigen, kann mit unserer Leistung etwas nicht stimmen. Wenn es auch sportlich Erkenntnisse aus dem Sieg zu ernten gab, ist doch vielmehr zu hoffen, dass die Mannschaft und jeder einzelne Spieler einen solchen Schuss vor den Bug des Sportsgeistes als Anlass nutzt, das eigene Verhalten intensiv zu überdenken und wieder zu der Ruhe und Gelassenheit zurückzukehren, die in der letzten Saison regierte. Als Handballer und VfLer gilt immer noch, dass die beste Antwort auf jegliche Provokation ist, den Gegner mit drölfzigtausend Toren aus der Halle zu schrubben und sich auf das Spiel zu konzentrieren. Zum einen spielen wir dann ausnahmslos alle besser (der Chronist weiß, wovon er redet) und zum anderen gehört es sich auch im Sinne des Sportsgeistes nicht, Schiedsrichter oder Gegner in der Weise von Donnerstag anzugehen. Alle Beteiligten wissen, welche Fehler sie gemacht haben, haben Abbitte geleistet und damit ist die Sache gegessen.

Als Fazit muss man also sagen: Schwamm drüber, Mund abputzen und weiter geht’s den nächsten Donnerstag gegen den Stadtrivalen aus Dahlhausen.

Für den VfL angetreten sind: David Peters (TW), Robert Benning (TW), Max Birkemeier, Leo Hadram, Moritz Wetzel, Lars Sikorski, Patrick Heyer, Alex Cousen, Marius Siebert, Fabian Stemmanns, Cedric Lorra. Rob Fischer.