VfL Bochum – ETG Recklinghausen 2 32:23 (17:7)
Für Fixe: 40 starke Minuten bringen den VfL deutlich in Führung, zwanzig Minuten im Ergebnisverwaltungsmodus gestalten das Ergebnis erträglich für die Gäste.
Spiel Vier von Vier der VfL-Revenge-Tour, dieses Mal in der Heimspielstätte in Wiemelhausen. Die Bochumer haben sich inzwischen klar in der Liga etabliert und mit den Siegen gegen Hattingen und Gladbeck Zeichen gesetzt, die auch die denkbar knappe Niederlage in Westerholt nicht überdecken konnte. Das Hinspiel gegen die heutigen Gäste aus Recklinghausen, bei denen mit der Abmeldung der ersten Mannschaft und dem Wechsel auf der Trainerposition reichlich personelle Bewegung drin war, hatte sich in der grauen Vorzeit der Hinrunde allerdings wie ein festgetretener Kaugummi auf die gemeinschaftliche Psyche des VfL gelegt. In einem aufgeheizten Spiel, in dem zahlreiche Unterbrechungen jeglichen Spielfluss gestört hatten, musste Bochum beide Punkte beim Pottnachbarn lassen und konnte auf der Habenseite nur die Erkenntnis verbuchen, dass Springfloh Leo im Ernstfall auch den in einer leicht anderen Gewichtsklasse agierenden Schnapper Fabi einarmig aufhalten kann. Zum Rückspiel war also ordentlich Druck im Kessel, die Bank war wie so oft gut gefüllt und auf der Platte ging es um gnadenloses Tempo.
Gegen die mit nur acht Feldspielern angereisten ETGler hat Bochum wie eigentlich seit Jahren immer den besseren Sportsgruß, aber am Anfang keine weiteren Pfeile im Köcher. Im Angriff fehlt der Druck, in der Deckung die Beweglichkeit und nach sieben Minuten führen die Gäste in einem zähen Spiel mit 4:2. Huch, so war das nicht geplant. Die Stroop-Sieben schaut kurz ins Drehbuch, sieht da „Umschaltspiel“ rot unterstrichen und dreht auf. Ein 7:1-Lauf in zehn Minuten, zwei parierte Strafwürfe vom Knorrwart und zum Zungeschnalzen präzise Diagonalpässe vom Stinnikopter auf Rechtsaußen drehen das Spiel klar in Richtung des VfL. Dem gnadenlosen Tempo haben die Gäste nichts mehr entgegenzusetzen, das Heimteam muss sich nur vorwerfen, zu viele Chance liegenzulassen. Auch mit einer ausbaufähigen Chancenverwertung steht es zur Pause 17:7, Niklas Willrodt als Exot – Kreisläufer im Gegenstoß sind selten – sorgt für zehn Tore Vorsprung zur Pause.
In der Kabine bleibt wenig zu sagen. Die Spannung muss hochgehalten werden und der Ball muss vorne ins Tor.
Aus der Pause kommt der VfL wie die sprichwörtliche Feuerwehr, setzt sich innerhalb von zehn Minuten auf 23:10 ab. Dann bringt die angekündigte Personalrochade die Bochumer etwas aus dem Konzept, die Spannung und Gnadenlosigkeit der ersten 40 Minuten geht verloren. Zeitweise bekommt der geneigte Zuschauer den Eindruck, die Mannen in Blau hätten sich spontan für ein Kurzpraktikum in der Stadtteilverwaltung Wiemelhausen beworben, schalten sie doch dauerhaft in den Ergebnisverwaltungsmodus. Über 23:13 bleibt der Vorsprung bei zehn Toren konstant, weil das Heimteam die immer noch zahlreichen Ballgewinne in der Deckung nicht mehr so konsequent in Tore umwandelt. Am Schluss trennen sich beide Mannschaften mit 32:23, der VfL gewinnt das dritte Spiel aus den letzten Vier und stellt sein Punktekonto wieder ausgeglichen.
Ähnlich wie bei klaren Niederlagen bleibt auch bei klaren Siegen wenig zu sagen. Die Wut des Chronisten über mangelnde Spannung gegen Spielende ist verraucht, zwei Punkte bleiben zwei Punkte. Dass die Gäste mit der personellen Besetzung an diesem Tag dem VfL nicht gefährlich werden können, war bereits früh im Spiel abzusehen und dann mit entsprechender Klarheit und Wucht eine gewonnene Partie zu Ende zu führen, mag durchaus eine unfaire und zu früh gestellte Forderung sein. Die Mischung aus Jugend und Erfahrung funktioniert, die Deckung kommt langsam wieder in ihren Maurermeister-Modus und auch die Delle mit teilweise nur sechs Spielern beim Training scheint überwunden. Zur Feier des Tages turnt der verletzte Trainingsdauerbrenner Lars Wegge schon wieder ohne Krücken über die Tribüne und durch die Kabine und erweitert perspektivisch nach der Osterpause die Zimmermannsgilde bei der Ersten Herren. Am kommenden Samstag steht mit Westfalia Welper die nächste Mannschaft aus dem Tabellenkeller auf der Gästeliste, Anwurf in Wiemelhausen ist beim letzten Spiel vor der Osterpause am Samstag um 17:00, Zuschauer sind wie immer gern gesehen.
Den Spruch des Tages liefert wie so oft Schnapper Fabi: Wenn wir jetzt noch Nicki aussortieren, dann bin ich der einzige Dicke hier.
Körperlich nicht mit der gleichen Präsenz ausgestattet wie ein Kreisläufer, auf dem Feld aber trotzdem eine Wucht ist Lennard Bader, der bei seinem Herrendebüt nicht nur im Angriff klug Regie führt, sondern auch in der Deckung zupackt wie ein alter Hase. Bei einer solchen Leistung kann auch das (zum heutigen Stand) Fehlen eines Einstandstores nicht vor der Wahl zum Spieler des Spiels retten.

Für den VfL das Hinspiel geradegerückt haben: David Knorr (TW), Fabi Gohl (TW), Max Birkemeier (7/3), Noah Werner (6), Leo Hardam (6), Lasse Benking (4), Matthias Plewnia (3), Niklas Willrodt (2), Lars Sikorski (2), Sascha Behnke (1), Mark Stinn (1), Mika Wiltheiß, Lennard Bader, Torben Nolting.