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Spielberichte 1. Herren

Westerholter Wandertag

HSV Westerholt 2 – VfL Bochum 24:23 (14:13)

Für Fixe: In einem abwehrbetonten Kampfspiel findet der VfL zu spät zu seiner Stärke und muss sich am Ende um Haaresbreite geschlagen geben.

Der Frühling ist vollkommen angekommen im Jahr 2026 und der VfL-Express, bei dem die Bochumer Ballermänner gemeinschaftlich die Bremsen ausgebaut hatten, hält bei Stopp Drei seiner Ruhrpott-Revenge-Tour in Westerholt. Hattingen, Gladbeck, Westerholt, ETG Recklinghausen – insgesamt vier Spiele in Serie, bei denen die Bande in der Hinrunde punktlos geblieben war. Die Erfolge gegen Hattingen und Gladbeck im Doppelpack der Vorwoche hatten gezeigt, dass die Formkurve der Reisegruppe in Blau und Weiß steil nach oben zeigt, in Westerholt stand das nächste Spiel auf Augenhöhe an. Der HSV aus Herten hatte im Hinspiel mit einer kompromisslosen Deckung und guten Torhütern dem VfL gerade nach der Pause den Zahn gezogen und dabei den Ball im Angriff lange laufen lassen. Eine vielbeinige Deckung und vor allem Tiefe im Spiel mit der Harzpille mussten die Zutaten sein, aus denen Druide Stroopolix und Trainerkomplize Wiegand das Erfolgsrezept kochen wollten. In die Olympiahalle in Westerholt, die mit knarrenden Holzdielen und einer leicht angestaubten Patina aus den 1970ern grüßt, verirren sich insgesamt 14 Bochumer Buben. Die Bande ist da, muss im Vergleich zur Vorwoche allerdings wieder mit einem schon bekannten Schleudertraume aus dem Personalkarussell rechnen. Die Durchschlagskraft von Max Lorenz und der Spielwitz von Diego Jakobs fehlen, dafür ist mit Zaubermaus Alex Cousen und dem doppelten Hardam Handballerfahrung und Sachverstand wieder auf der Platte. Noch kurz vom Knorrwart angestachelt werden und rein geht es ins Spiel.

Die erste Duftmarke setzen auf beiden Seiten die Torhüter. Der Bochumer Schnapper schnappert sich einen Strafwurf, der Westerholter Hüter pariert zwei vorschnelle Abschlüsse. Garniert wird diese behäbige Anfangsphase von technischen Fehlern auf beiden Seiten, die zahlreichen, lautstarken und um Kommentare auch unter der Gürtellinie nicht verlegenen Zuschauer aus Herten sehen wenige Tore. 2:2 nach sechs Minuten, 5:4 für die Gastmannschaft nach 12 Minuten. In der Anfangsphase zeichnet sich ab, dass der VfL genau dann erfolgreich ist, wenn der Rückraum aus der Tiefe mit Druck auf die gegnerische Deckung kommen kann. Die beiden Hardam-Brüder werfen fünf der ersten sechs Buden und halten die Bochumer im Spiel, welches durch stetige Führungswechsel besticht. Nach 17 Minuten geht Westerholt mit 9:7 erstmals mit zwei Toren in Führung, kann diesen Abstand aber nicht halten. 10:10, 11:11, 12:12, keines der Teams kann sich absetzen, das zähe Spiel lebt aber weiterhin von Einzelaktionen auf beiden Seiten. Max Birkemeier bringt den VfL vom Strich noch mit 12:13 in Führung, eine Auszeit der in rot gekleideten Gastgeber bringt allerdings noch einmal zwei Gegentore und den 14:13-Halbzeitstand.

In der Kabine ist die Stimmung merkwürdig geknickt, liegt Bochum doch in einem engen Spiel nur mit einem Tor zurück. Viel besser noch – keine der Mannschaften wird heute 30 Tore werfen. Das bedeutet in der zweiten Halbzeit Klarheit in den Aktionen, Verantwortung für den Ball und den Willen zum Sieg.

Aus der Pause plätschert das Spiel erstmal locker los, über 15:13 und 18:15 kann sich Westerholt, auch begünstigt von wie Ohrfeigen hereinregnenden Zeitstrafen für die Gäste, langsam und fast unmerklich absetzen. Der Schönheitsschlaf der Bochumer dauert gut zehn Minuten, dann entscheidet sich der in der Pause ins Tor rotierte Fabi Gohl, mal ein Zeichen zu setzen. Ein Strafwurf landet an den Pranken des Bochumer Torwarts, der als Mann aller handwerklichen Gewerke natürlich auch Zimmermannmeister ist und sein Tor jetzt vernagelt. 20:18, 22:21, Bochum robbt sich langsam wieder heran, reißt sich durch Fehlpässe und Fehlwürfe das Erarbeitete aber wieder ein. Drei Minuten vor dem Ende führt Westerholt mit drei Toren, der Jubel in der Halle beginnt anzuschwellen. Handballspiele gehen allerdings 60 Minuten, ein hitziger Endspurt kündigt sich an. Den ersten Ton zum letzten Reigen des Tages spielt erneut Ferdi, der unwiderstehlich zum 24:22 einnetzt. Den zweiten Ton spielt – eigentlich  – Tausendsascha Behnke, der aus dem Anwurf dem Gastgeber den Ball abluchst und schon auf dem Weg zum Gegenstoß ist. Rüde unterbrochen vom Pfiff der Schiedsrichter, die ein regelwidriges Einsteigen sanktionieren, bleibt der Ball beim HSV, Sascha geht mit der dritten Zeitstrafe auf die Tribüne. Dem VfL ist das egal, Fabi schnappt sich hinten die nächsten Bälle, Ferdi haut in Unterzahl den Ball einfach nochmal rein, 24:23. Eine unstrittige Zeitstrafe für Westerholt, erneuter Ballbesitz für die Bochumer und noch 30 Sekunden zu spielen. Im Mannschaftskreis bei der Auszeit wird kurz diskutiert, dann ist klar: Abräumen, den Außen werfen lassen und einen Punkt entführen. Abgeräumt wird, nur der Ball ist nicht drin. Wie durch eine Krümmung in der Raumzeit verschluckt die fleckige Wand hinter dem Tornetz die Harzpille scheinbar, die erst an der Eckfahne wieder auftaucht. Abpfiff, Ärgern, beide Punkte bleiben in Westerholt.

Der VfL kann schlussendlich aus einer bärenstarken Deckungsleistung kein Kapital schlagen, die Hypothek aus verlorenen Bällen ist gegen eine starke Abwehr von Westerholt am Ende zu groß, der Verlust von Zaubermaus Alex Cousen, dessen Wade ihn zur Halbzeit ins Lazarett schickt, für die Spielstruktur am Ende nicht kompensierbar. Dass der letzte Ball nicht drin ist – geschenkt. Bochum kann stolz sein, sich nach einem klaren Rückstand wieder herangekämpft und überhaupt erst in die Situation gebracht zu haben, den entscheidenden Ball verwerfen zu können. Was gegen Riemke noch geklappt hat, klappt heute eben einmal nicht. Mund abputzen, weiter geht’s. Nichtsdestotrotz kann auch aus solchen Spielen eine Lehre gezogen werden. Während die Deckung mit zunehmender Spieldauer immer besser wird und jegliche Kombination der drei Betonmischer vom Kreis besser und besser funktioniert, greift die Stroop-Sieben im Angriff zu schnell zur Brechstange. Wenn der Ball läuft, wenn die Einzelspieler mit Druck und aus der Tiefe kommen, dann entstehen gute Abschlusssituationen wie von Zauberhand. Die Last der Entscheidung allerdings auf einzelne Schultern zu verteilen und Abschlüsse zu erzwingen ist gar nicht notwendig. Lange die Niederlage verdauen kann und muss die Bande nicht, bereits am nächsten Samstag kommt zu Teil 4/4 der Ruhrpott-Revenge-Tour ETG Recklinghausen in die Festung Wiemelhausen. Das Hinspiel sorgte für allgemeine Aufregung, im Rückspiel will Bochum mit handballerischer Klasse ein klares Statement setzen. Anwurf ist um 18:00, Zuschauer sind wie immer gerne gesehen.

Den Spruch des Tages liefert neben einer guten Leistung Schnapper Fabi, den nur die üblichen Probleme des Proletariats von häufigeren Diskussionen mit den Schiedsrichtern abhält: Wenn ich mehr Geld hätte, würde ich jedes Spiel mit Blau runtergehen.

Runter wie Öl ging auch die Leistung der Spieler des Spiels. Passend zu der Kuhstraße im ländlichen Herten gewinnen Fabi Hahn Gohl und Pferdi Hardam und machen im Lichte der Hallenbeleuchtung noch eine besonders gute Figur.

In Herten eine entsprechende Härte mitgebracht haben: David Knorr (TW), Fabi Gohl (TW), Ferdinand Hardam (8), Leo Hardam (7/1), Max Birkemeier (3/2), Sascha Behnke (2), Jannik Kocian (2), Alex Cousen (1), Lasse Benking, Mika Wiltheiß, Niklas Willrodt, Torben Nolting, Mark Stinn, Matthias Plewnia.