VfL Bochum – HSG DJK Rauxel-Schwerin 18:37 (12:18)
Für Fixe: Wer den Ball nicht ins Tor wirft, verliert Handballspiele. Rauxel gelingt die Revanche fürs Hinspiel, der VfL kassiert die zweite happige Niederlage in zwei Wochen.
Die Niederlage beim Tabellenführer in Waltrop war krachend, viel Zeit zum Verdauen bleibt der Bochumer Bande aber nicht. Bereits eine Woche später hat sich mit der HSG Rauxel-Schwerin ein weiteres Schwergewicht angekündigt. Im Hinspiel hatte der VfL in einem packenden Spiel knapp die Nase vorne behalten, von der Hinspielform ist die Mannschaft von Trainer Stroop aktuell aber ein Stück entfernt. Die Basics, die die Mannen aus der schönsten Stadt im Ruhrgebiet so stark gemacht hatten, greifen nicht richtig. Handball wird trotzdem gespielt, der VfL muss den Ausfall von Tausendsascha Sascha Behnke kompensieren und auch auf den in der Vorwoche starken Max Lorenz verzichten. Aus der Versenkung taucht wie ein kahler Phönix aus der Asche Altmeister Lars Sikorski, der sein zweites Spiel nach dem „Rücktritt“ macht. 14 Leute auf der Platte und Bank, die eigene Heimhalle aber trotzdem in erster Linie mit gegnerischen Fans gefüllt – das fühlt sich komisch an.
Um es kurz zu machen – Bochum hat keine Chance an diesem Tag, greift bei der eigenen Leistung nämlich bis zum Schultergelenk in den Misthaufen – dieser Satz aus dem Waltrop-Spiel lässt sich für die Partie gegen Rauxel leider kopieren. War es in Waltrop noch die allgemeine Spielanlage, ist es gegen Rauxel der Torabschluss. In den vergangenen Saisonspielen hat die Breite den VfL ausgemacht – irgendjemand hat immer gezündet. Sei es die Abteilung „Jugend forscht“ in Ickern oder Leo Hardam mit dem goldenen Schuss für Teutonia in Riemke – eine gute Tagesform hatte das Trainerteam immer im Köcher. Diese gute Form findet sich nur beim ewigen Max Birkemeier und das auch nur in der Anfangsphase. Beim 4:5 und 5:6 nach neun Minuten ist der VfL noch in Schlagdistanz, dann kann sich Rauxel Tor um Tor absetzen. Beim 6:12 nach 20 Minuten rafft sich der VfL noch einmal auf, ein Zwischenspurt mit zwei Toren von Lars Sikorski bringt die Bochumer wieder auf 10:12 heran. Mehr als ein Strohfeuer kann das Aufbäumen aber nicht sein, bis zur Pause ziehen die Gäste mit 12:18 wieder weg.
In der Kabine müssen die Köpfe hochgehalten werden. Eigene Fehler und mangelnde Abschlussqualitäten beißen den Bochumern mit Genuss in den Hintern. Für die zweiten 30 Minuten muss sich der VfL an die eigene Nase packen und besser machen.
Auch in der zweiten Hälfte bringt Bochum die vorhandenen PS nicht auf die Straße. Tor um Tor ist es vor allen Dingen der Wurf, jener essentielle Bewegungsablauf, geradezu originär dazu gedacht, die Pille ins Gehäuse zu zimmern. Die genommenen Abschlusssituationen sind nicht unbedingt schlecht, aber sowohl im Angriff als auch in der Deckung werden die Aktionen nur zu 95% zu Ende gespielt. Vorne fehlt der letzte Fokus auf den Abschluss, hinten erlaubt die blaue Wand dem Gegner, den Ball dann doch noch weiterzuspielen. 95% reicht allerdings in der Kreisliga nicht mehr. Bis zum Spielende setzt sich Rauxel Tor um Tor ab, der einzige Aufreger in einem früh entschiedenen Wettkampf kommt in der 58. Minute. Der Rauxeler Gegenspieler wird vom wachsweichen Wackler des Wacholderboys auf die Reise geschickt und kommt darauf im Sprung klar zu spät. Hand trifft Gesicht – dem Wacholdergeist sei gedankt, dass im Esszimmer des Bochumer Partywarts nach eigener Aussage sowieso nicht mehr viel kaputt gehen kann. Eine folgerichtige rote Karte lässt die Gemüter noch kurz hochkochen, beim 18:37 in der letzten Spielminute haben sich allerdings alle wieder beruhigt. Rauxel gelingt die Revanche, für den VfL heißt es: Zurück ans Reißbrett.
Trainer Wiegand fasst es vor dem Spiel und auch in der Halbzeit perfekt zusammen – die anderen Mannschaften nehmen den VfL jetzt ernst! Unter dem Radar wie in der Hinrunde kann Bochum nicht mehr fliegen, die größere Gegenwehr ist mit den Siegen der Saison hart erarbeitet. Für den VfL warten mit den Spielen in Linden und Westerholt passendere Kragenweiten, in denen die Mannen des Trainerteams Stroop/Wiegand die nächste Chance haben, ein anderes Gesicht zu zeigen.
Der Spruch des Tages kommt im erweiterten Nachgang des Spieltages von Trainer Stroop: Eine Baustelle brachliegenden Potenzials – wie unsere Handballmannschaft.
Spieler des Spiels wird Altmeister Lars Sikorski, der die Krone vom nachgekrönten Lars Wegge übernimmt – eine ziemlich larsige Veranstaltung.

Sich den Samstagabend gegen Rauxel gestemmt haben sich: David Knorr (TW), Lars Wegge (TW), Max Birkemeier (4/3), Noah Werner (3), Matthias Plewnia (3), Alex Cousen (3), Leo Hardam (2), Lars Sikorski (2), Torben Nolting (1), Jonas Knaust, Niklas Willrodt, Jannik Kocian, Diego Jakobs, Mark Stinn.