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Spielberichte 1. Herren

Volle Pulle bei voller Hütte

VfL Bochum – PSV Recklinghausen 2 27:24 (12:13)

Für Fixe: Das letzte Heimspiel des Kalenderjahres zelebriert der VfL Bochum vor entsprechender Kulisse – und spielt nach schwerem Start auch handballerisch mit.

Schon 2006 trällerte die portugiesisch-kanadische Popkanone Nelly Furtado „All good things come to an end“ und entgegen aller Vermutungen endet auch das Kalenderjahr 2025 am 31.12. Davor steht aber als Abschluss eines Handballjahres, welches für die erste Mannschaft durchaus erfreulich verlaufen ist, noch ein letztes Heimspiel. Nach der klaren Derbyniederlage gegen Wattenscheid möchte die Mannschaft des Trainerteams Stroop/Wiegand das Jahr mit einem Heimsieg beenden, eine entsprechende Kulisse dafür wäre vorhanden. Die B-Jugend hat ein umfangreiches Buffet bereitgestellt, Einlaufkinder sind organisiert und die Tribüne platzt fast aus allen Nähten. Als besondere Gäste auf der Jahresabschlussweihnachtssupersause ist die Zweitvertretung des PSV aus Recklinghausen geladen, immerhin direkte Tabellennachbarn der Bochumer. Ein Sieg würde das Heimteam noch einen Tabellenplatz nach oben spülen, eine Niederlage gefährlich nah an den Strudel der Abstiegszone heranbringen. Die Truppe aus dem Norden des Ruhrgebiets spielt eine vergleichbare Saison zum VfL, allerdings ein wenig vorhersehbarer – eine Niederlage gegen Waltrop und ein Sieg gegen ETG passen eher zur Tabellensituation. Ein Heimspiel in der immer noch schnieken Wiemelburg, lautstarke Anfeuerungsrufe für die Bochumer Recken – das Heimteam hat das Spiel komplett selbst in der Hand. 15 Namen flackern im Spielbericht über den Bildschirm, mit Lasse Benking und Erik Kirchberg sind neben Roman Saure und Leo Hardam schnelle Leute vertreten, die auch alle direkt starten. Trainerfuchs Sven Wiegand hatte die grauen Zellen unter der Woche einer ordentlichen Tortur unterzogen und einen raffinierten Matchplan ausgetüftelt. Die Gäste sollten mit einer offensiven Deckung und direktem, kompromisslosen Tempospiel sofort in die Defensive gedrängt werden.

Kein Plan überlebt den ersten Feindkontakt und kein Spielplan den ersten Ballkontakt, aber die ersten Treffer gehören dem VfL. Jungspund Erik und Springfloh Leo spielen gut zusammen und treffen zum 1:0 und 2:1. Dann offenbaren sich allerdings große Lücken in der offensiven 4-2-Deckung der Bochumer, die Beine sind etwas zu langsam, das Verschieben als Verbund klappt faktisch gar nicht und ein 8:1-Lauf der in grün gekleideten Gäste, bei denen sich der Linksaußen bereits früh in exzellenter Verfassung präsentiert, lässt noch vor der Zehn-Minuten-Marke ordentlich die Luft aus dem Vorfreudeballon. Die Stimmung kühlt etwas ab, Trainer Stroop nimmt die Auszeit. Das Experiment Offensive ist misslungen, die alten Hasen übernehmen den Kahn. Capitano Jannik Kocian und Tausendsascha Sascha Behnke rücken in die Partie, auch Torwart Fabi Gohl wandert in den Kasten. Langsam gelingt es den Gastgebern, erst auf 5:9 zu verkürzen und dann – trotz zweier Gegentreffer von Außen – die Flut an Gegentoren erst zu mindern und dann komplett zum Versiegen zu bringen. Von der 19. bis zur 30. Minute sickert nur ein mickriges Bällchen am starken Kreuz des Gohlis vorbei – in den neun Minuten vor der Pause gar keins mehr – und ein eigener 6:1-Lauf der jetzt besser in der Partie angekommenen Bochumer gekrönt vom Anschlusstreffer – Chefsache von Jannik in Lars-Sikorski-Gedächtnismanier (Stemmwurf aus dem Laufen, eher langsam, aber unhaltbar) – wird nur von der Pausensirene unterbrochen.

Der VfL hat sich in den ersten zehn Spielminuten ein Loch gegraben, aus dem die Bande sich Tor um Tor langsam wieder herauskämpft. In der zweiten Hälfte muss die Abwehr von Beginn an stehen, denn gegen sich immer wieder aufreibende Gäste wird es auch heute wieder die Schlussphase sein, die das Spiel entscheidet.

Wieder auf den Brettern, die die Handballwelt bedeuten, gebührt der erste Treffer zwar dem Linksaußen der Gäste, aber die Heimmannschaft hat die Zügel jetzt fester in der Hand. Über 13:14 und 15:15 gleicht die Bande erst aus und lässt sich auch von einer roten Karte für Niklas Willrodt nicht ausbremsen, geht durch einen Hatrick des jetzt nicht zu stoppenden Behnke mit 18:15 in Führung. Eine Auszeit der Gäste stoppt den gefährlich werdenden Flow der Gastgeber, Recklinghausen richtet das gesamte Angriffsspiel jetzt komplett auf den starken Außen aus – erst einmal zurecht. Drei Würfe, drei Tore später steht es 18:18, ein Spiel auf Augenhöhe entbrennt. Bis zum 23:23 legt der VfL, angetrieben von einem wie aus U-Boot-Stahl geschmiedeten und überall auftauchenden Alex Cousen, stetig vor, muss aber zu einfache Gegentore hinnehmen. Das Blatt final wenden zwei Schachzüge. Zum einen bekommt der Knorrwart, am Anfang gnadenlos über den Haufen geballert, eine zweite Chance und kann sich hinter einer im Schlussspurt bärenstarken Deckung auszeichnen, pariert zwei aus schlechtem Winkel erzwungene Würfe des treffsicheren Außen. Zum anderen zaubert Zauberfranke Jonas Knaust, im Spezialistenwechsel mit Springfloh Leo unterwegs, in der Deckung jede noch so kleine Lücke zu, gault und ackert und trifft vorne selbst noch zum 24:23. Beim 27:23 78 Sekunden vor dem Ende ist der Deckel drauf, der letzte Treffer der Gäste ist lediglich Ergebniskosmetik, beide Punkte bleiben in Bochum.

Eine beeindruckende Heimspielkulisse genutzt, einen Gegner auf Augenhöhe geschlagen und einen Platz in der Tabelle geklettert – der VfL kann einen gelungenen Jahresabschluss feiern. Gegen ebenfalls starke Gäste aus Recklinghausen, denen im entscheidenden Schlussdrittel die Körner ausgehen, sind es die Optionen, die es der Bande ermöglichen, nachzujustieren und sich auch von schlechten Starts nicht unterkriegen zu lassen. Spieler wie Jonas, die nach längerer Pause ohne Leistungsabfall wieder Spiele beeinflussen, braucht es, wenn die Mannschaft auch im neuen Jahr in der Kreisliga bestehen will. Bochum beendet das Jahr auf einem guten Rang Sieben und kann nach dem Jahreswechsel auf dem Weg zum Auswärtsspiel nach Scherlebeck befreit aufspielen und zeigen, was noch in den Bochumer Buben steckt.

Den Spruch des Tages liefert – wie auch sonst – schon vor der Partie im Rahmen der Trikotnummernsuche Schnapper Fabi, der seine Mannschaftskollegen ohne Nummern schwer auseinanderhalten kann: Ich bin Torhüter, ich muss mir die Namen von euch allen nicht merken.

Merken sollte sich PSV den Namen von Sascha Behnke, der aus einer starken Mannschaftsleistung mit sieben Toren und starken Steals heraussticht und sich vollkommen zurecht zum Spieler des Spiels küren darf.

Die bärbeißige Bande Bochumer Buben bedankt sich bei der Unterstützung über das Jahr und wünscht allen Fans, Lesern und sonstigen Sympathisanten ein gutes neues Jahr.

Für den VfL die beiden letzten Punkte im NGB behalten haben: David Knorr (TW), Fabi Gohl (TW), Max Birkemeier (3/1), Lasse Benking, Alex Cousen (3), Mark Stinn, Sebastian Knihs, Erik Kirchberg (3), Leo Hardam (4/2), Jonas Knaust (2), Sascha Behnke (7), Roman Saure (1), Matthias Plewnia (1), Niklas Willrodt (2), Jannik Kocian (1).