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Spielberichte 1. Herren

Das Ende zeigt Charakter

VfL Bochum – TV 01 Wattenscheid 22:28 (11:13)

Für Fixe: Bochum kann den Schwung der letzten Wochen nicht über 60 Minuten mitnehmen und unterliegt dem Tabellenführer, beweist am Ende aber Moral und Charakter.

11.12., der dritte Advent und das letzte Heimspiel der Handballer des VfL Bochum stehen ins Haus. Der VfL hatte mit dem Sieg in Wanne und dem gewonnenen Punkt im Derby gegen den BHC aus der Vorwoche, bei dem Schnapper Fabi in letzter Sekunde das Unentschieden festhielt, etwas Höhenluft geschnuppert. In die Halle an der Graf-Engelbert-Schule waren mit Flemming, Paul, Knies, Torben und Jannik sogar noch fünf Spieler gepilgert, die perspektivisch den Weg auf den Spielbericht finden können und den Trainerstab mit weiteren Optionen versorgen. Die schmalen Wochen aus dem Oktober und November mit dem Katastrophenspiel in Beckhausen sind überstanden, jetzt muss der personelle Aufschwung mit Leistung untermauert werden. Mit dem TV aus Wattenscheid kam ein echtes Schwergewicht zu einem seltenen Derby nach Bochum. Lediglich vier Minuspunkte standen bei den Gästen auf dem Konto, was Wattenscheid zum heimlichen Tabellenführer macht. Trotz personeller Probleme und nur neun Feldspielern stellt der Gast eine körperlich sehr präsente Mannschaft, gegen die der VfL konsequent aufs Tempo drücken muss. Eine massierte 6:0 wie die von Wattenscheid zu überspielen, wird schwierig. Dafür kann Bochum seine Wechselmöglichkeiten ausnutzen und das Spiel schnell halten. Schnelle Beine sind auch in der Deckung notwendig, denn wenn der Rückraum der Gäste seine Wechsel spielen darf, wird es für jede Abwehr schwierig. Die Ansage von Trainer Stroop lautet präsent sein und zeigen, warum der VfL im richtigen Bochum spielt.

 Ins Spiel starten beide Mannschaften nervös. Die Stroop-Sieben findet sich nicht wirklich ins Tempospiel und kann gegen die bewegliche 6:0 der Gäste nur über die Außen zum Abschluss kommen, wo sich Matthias Plewnia mit zwei wichtigen Treffern in den ersten zehn Minuten endlich für den Einsatz der letzten Wochen belohnt. Die blaue Wand, die die Maurermeister des VfL in der eigenen Deckung bauen, kann sich zu Beginn auf Torwart Fabi Gohl verlassen, der neben einem Siebenmeter auch aus dem Rückraum kaum zu bezwingen ist. Trotz aller Anstrengungen zwischen den Pfosten zeigt sich schon in der ersten Viertelstunde, dass Bochum in der Deckung hellwach bleiben muss. Lässt sich der Block auch nur einen Schritt zurückdrängen, spielt Wattenscheid seinen eigenen Stiefel so routiniert, dass zu oft zu gute Abschlusspositionen dabei herausspringen. Nach 13 Minuten steht es 3:7, der Gast hat dem Gastgeber zu Beginn sein Spiel aufzwingen können. Einige frische Kräfte von der Bank später entstauben die Recken im schnieken Dunkelblaumann endlich das Gaspedal und drücken aufs Tempo. Im gebundenen Spiel wird häufiger der Kreis gesucht, wo Ben Richert zeigt, warum Abwehr spielen gegen ihn eher spaßbefreit ist. Sechs Minuten braucht es, dann steht es 8:8 und ein Spiel auf Augenhöhe entwickelt sich. In den acht Zeigerumdrehungen bis zur Pause kann das Heimteam in Führung gehen, scheitert aber entweder am guten Torhüter aus Wattenscheid oder am eigenen Unvermögen. Einige Risikopässe gehen schief, auch technische Fehler häufen sich mit der heute harzfreien Pille im Vergleich zu den Vorwochen. Symptomatisch ist beim 11:12 22 Sekunden vor der Halbzeit eine Situation, die heute die Grenzen aufzeigt. In Auszeit wird ein Spielzug angesagt, Hauptsache kein Ballverlust. Einen Fehlpass und Gegenstoß später steht dann es 11:13, Mist.

Puh, mit einem solchen Tiefschlag in die Pause. Trotzdem hat die Mannschaft damit direkt etwas gut zu machen. Insgesamt müssen wir uns mehr quälen, weitere und schnellere Wege gehen und noch mehr ins Tempospiel kommen, dann gilt auch heute wieder: Die Crunch-Time in den letzten fünfzehn Minuten entscheidet solche Spiele.

Aus der Kabine kommt Bochum aber etwas behäbig, Wattenscheid dafür wie die Feuerwehr. Es knallt ein paar Mal laut und als der Rauch sich legt, ist der Abstand auf 11:16 angewachsen. Die Abwehr ist etwas zu langsam, verschiebt den berüchtigten halben Schritt zu wenig und Wattenscheid nutzt die Lücken gut. Zwei schnelle Tore später robbt sich der VfL wieder auf 13:16 heran, ein gehaltener Siebenmeter könnte eine Initialzündung sein. Zu leichte Ballverluste und überhastete Abschlüsse lassen Wattenscheid auf sechs Tore davonziehen, einen Zwischenspurt später verkürzt Bochum auf 16:20. Noch sind 15 Minuten zu spielen, jetzt gilts. In den letzten Jahren kann der VfL in dieser Phase nochmal einen Gang zuschalten. Heute aber ist Wattenscheid zu routiniert. Das Risiko des Heimteams wird nicht belohnt, Spekulieren in der Deckung und Knallgas noch vorne sorgen für zu viele Ballverluste. Beim 19:27 sechs Minuten vor Ende hat der Gast all seine Klasse gezeigt und den Bochumern auch in Hälfte Zwei sein Spiel aufgezwungen. Die letzten fünf Minuten werden so zur Charakterfrage: Lässt die Mannschaft den Kopf hängen oder bringt sie das Spiel serös zu Ende? Ein 3:1- Lauf beantwortet zumindest diese Frage zufriedenstellend. Am Ende steht mit 22:28 eine Niederlage mit sechs Toren auf der Anzeigetafel, die nach dem Spiel auch in der Höhe verdient ist.

Unterm Strich ist so ein Spiel eines, was man hinnehmen muss. Wattenscheid zeigt, warum sie in der Tabelle so weit oben stehen. Ohne konsequentes Tempo und mit den Fehlern, die durch zu viel Risiko ganz normal sind, bleibt der Gastgeber bei nur 22 Toren. Heute war eben nicht mehr drin, aber es gibt auch in einem solchen Spiel Phasen, die zeigen, wo die Reise hingehen kann. Das Spiel des VfL wird von Woche zu Woche besser und vor Weihnachten gibt es beim TuS Hattingen 3 ein letztes Mal die Möglichkeit, die Bochumer Fahne hochzuhalten. Dafür heißt es gut trainieren, das Spiel am 17.12. startet auch bei 0:0. Den Abend bei frostigen Temperaturen lässt die Mannschaft mit heißen Häppchen ausklingen und genießt eine lang erwartete Parkplatzparty von Tribünenrowdy und Freizeitrübel Paddy. Danke, es hat gemundet.

Der Spruch des Tages kommt heute von Schnapper David: Die ersten 55 Minuten bestimmen über das Ergebnis, die letzten 5 Minuten über den Charakter. Den Charakter hat die Mannschaft gezeigt, am Ergebnis arbeiten wir noch.

Spieler des Spiels wird Verknaster Ben, der vorne am Kreis nicht zu stoppen ist und sich mit drei starken Toren belohnt.

Für den VfL im Derby alles in die Waagschale geworfen haben: David Knorr (TW), Fabi Gohl (TW), Max Birkemeier (1/1), Alex Cousen, Ben Richert (3), Julius Kirschner (4), Lars Sikorski (1), Leo Hardam (7), Niklas Willrodt (1), Patrick Heyer (3), Leo Thömmes, Matthias Plewnia (2), Daniel Verhoeven.

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