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Spielberichte 1. Herren

Keine Spieler, keine Punkte.

TB Beckhausen – VfL Bochum 39:26 (19:10)

Für Fixe: Das allerletzte Aufgebot des VfL kann eingespielten Gastgebern in Beckhausen nur über kurze Strecken Paroli bieten und muss auf die Rückkehr von Leistungsträgern in den kommenden Wochen bauen.

Der 06.11., ein eigentlich handelsüblicher Sonntagmorgen im Ruhrgebiet. Nur ein kleines Aufgebot der ersten Mannschaft der Handballer des VfL Bochum hatte sich zu der unchristlichen Zeit von 10:00 auf den Weg ins nahegelegene Gelsenkirchen gemacht. Nur ein Aufgebot der ersten Mannschaft? Nein, denn das immer besser gefüllte Lazarett in Bochum hatte nach dem letzten Aufgebot in Linden und dem hinterletzten Aufgebot gegen Ruhrbogen zu diesem Wochenende das allerletzte Aufgebot ausgespuckt. Mit dem von einer Sperre zurückgekehrten Rückraumrechten Patrick Heyer war nur ein einsamer Feldspieler aus dem Kader der ersten Mannschaft zu Saisonbeginn übriggeblieben. Beckhausen hatte im mit immerhin 30 Spielen vollen Terminkalender gewühlt, einer frühzeitigen Verlegungsanfrage des VfL jedoch nicht zugestimmt. Als Konsequenz sah sich der Gastgeber aus Gelsenkirchen einer Wundertüte aus Spielern der ersten und zweiten Mannschaft, getoppt mit dem Schweizer Taschenmesser Rob „Fantastic“ Fischer, gegenüber. Die Devise war also, mit einer nicht eingespielten Truppe die einfachen Sachen gut zu machen, gerade eigene Fehler zu vermeiden und Beckhausen nicht ins Tempospiel kommen zu lassen. Gesagt, getan, auf gehts auf die Platte.

Ins Spiel startete der VfL mit ordentlich Wut im Bauch, aber auch Abstimmungsproblemen in der Deckung. Die blaue Wand zeigt heute Lücken zwischen den einzelnen Bausteinen, im Angriff werfen die nicht vorbereiteten Würfe Beute des Schnappers der Gastgeber. Schnell liegen die auch heute im schnieken Dunkelblaumann aufgelaufenen Maurermeister mit 4:1 hinten. Dann kann der zurückgekehrte David Knorr im Tor mit Paraden gegen freie Würfe vom Kreis Ausrufezeichen setzen, die den VfL wieder in Schlagdistanz bringen. Die Stroop-Sieben hält lange Kontakt und bleibt vom 5:4 in der 11. Minute bis zum 9:8 in der 19. Minute absolut auf Augenhöhe. Ein verworfener Strafwurf und eine Auszeit der Gastgeber bringen die Mannschaft dann aber aus dem Rhythmus. Bochum macht Gelsenkirchen stark. Dieser an sich schon ungewöhnliche Satz fasst die zehn Minuten vor der Pause gut zusammen. Leichte Ballverluste im Angriff erlauben TB immer wieder druckvoll in der zweiten Welle zu agieren, was der dynamische Mittelmann zu sechs Toren in neun Minuten umsetzt.

In die Pause geht der VfL mit einem 19:10 frustriert, muss sich aber auch an die eigene Nase packen. 20 Minuten waren gut, dann haben die eigenen Fehler für einen Bruch gesorgt. Zur zweiten Halbzeit ist mutiger Handball angesagt.

Eben diese zweite Halbzeit ist leider schnell beschrieben. Bochum belohnt sich erneut für zwei gute Aktionen nicht, bekommt hinten ebenso knapp die Pille nicht wieder und statt 19:12 steht es 21:10. Das zarte Pflänzchen der Hoffnung, welches vielleichte erste Triebe bekommen hätte, wird unter den Einschlägen des schlecht aufgepumpten, harzfreien Spielballs zerrieben, der Gastgeber zieht Tor um Tor davon. In der letzten Viertelstunde kann sich der VfL nochmal berappeln, seine Klasse immer mal wieder aufblitzen lassen. Seien es starke Bälle an den Kreis, eine aufmerksame Deckung oder auch die millimetergenauen Quarterbackpässe von Torwart Fabi, punktuell beweist die Mannschaft sich selbst das eigene Können. Für eine solche Leistung über die Zeit fehlen aber gerade im Rückraum und in der Deckung eingespielte Optionen. Beckhausen gewinnt daher leicht zu hoch 39:26 gegen die 1,5. Mannschaft des VfL.

Puh, die Schweinewochen gehen weiter. Auf der Platte fehlt es in der Breite und in der Spielpraxis, die in dieser Zusammenstellung nicht existieren kann. Durchbeißen ist angesagt, es kommt ein Rückspiel mit anderem Personal. Die Frage, die sich beim Lesen eines solchen Berichts unweigerlich durch die Hirnwindungen robbt: Warum quält sich der gemeine Handballer bei einem solchen Punktestand, leichtem Nieselregen und einer Uhrzeit, bei der man der Wecker am liebsten in atomare Kleinstteile zerlegen würde, doch aus dem Bett und zu einem solchen Auswärtsspiel? Was bewegt Mannschaftssportler zum Spiel, wenn in den letzten Wochen Mitspieler wie die sprichwörtlichen Fliegen umfallen und man als Torwart – wie der Chronist – gefühlt nur Bälle aus dem Netz holt? Wieso stresst man sich beim Training, wenn doch das kühle Fiege von Moritz auch so im heimischen Kühlschrank wartet?

Die Antwort steckt bereits im Wort Mannschaftssportler selbst. Es ist die Mannschaft. Eben jene Bande von Verrückten, die einem Woche um Woche beweist, dass Begriffe wie Team, Verein oder Sportsgeist nicht nur leere Hüllen sind. Es sind die Leute, die sich ebenso wie man selbst auch nach dem Spiel die Harz-Staub-Mischung der semi-sauberen Bochumer Hallen von den Fingern knibbeln müssen, deren Liste von kleinen Wehwehchen jeden ordentlichen Sportmediziner in Tränen ausbrechen lässt, die aber nur Babyöl, Seife und Bandage zurechtrücken und das nächste Mal auch wieder da sind. Es sind die geilen Momente im Team, die Anekdoten und das Verständnis, die gleiche Art von Begeisterung für das Spiel zwischen den beiden Kreisen zu haben. Wie als Fan von Fussek, komischer Musik oder absonderlichen Getränken kann man sich seine Begeisterung eben nicht aussuchen. Jeder einzelne kann aber für sich entscheiden, wie er damit umgeht. Der VfL kann, wir können jetzt den Kopf in den Sand stecken oder erhobenen Hauptes auch bei peitschendem Regen und starkem Gegenwind durch die kommenden Wochen marschieren, in dem festen Wissen, dass man nicht allein geht und am Ende des Sturms eben doch der Silberstreif am Horizont wartet. Mannschaft und Team heißt nicht, nur Siege mitzunehmen und da zu sein, wenn das Fiege nach zwei Punkten von alleine aus der Flasche hopst, sondern auch, sich im Training den Arsch aufzureißen, füreinander zu kämpfen und dann nach dem Spiel zusammen zu lachen, dumme Sprüche vom Stapel zu lassen und den Nachbarn um Tape, Shampoo oder Feuer anzuschnorren.

Um es ruhrpottgerecht kurz zu fassen: Kommen au wieder bessere Zeiten, Jungs. Deshalb ist nach dem Spiel vor dem Spiel und deshalb ist es jetzt angebracht, Danke zu sagen an die, die Sonntagsmorgens in Beckhausen den Begriff Verein mit Leben gefüllt haben. Danke Dean, danke Calli, danke Piwi, danke Liam, danke Rob.

Nächstes Wochenende erwartet der VfL mit Westfalia Scherlebeck einen Gegner, mit dem man schon lange nicht mehr die Klingen gekreuzt hat. Abwarten, wen und was die Wundertüte VfL auf die Platte zaubern kann.

Den Spruch des Tages liefert Schnapper David frisch nach dem Spiel: Die müssen in Gelsenkirchen bleiben, wir dürfen nach Bochum zurückfahren.

Spieler des Spiels wird Rückraumkeule und Stilikone Patrick, der in der zweiten Halbzeit besser ins Spiel findet und insgesamt sieben Mal netzen kann.

Beckhausen auf sich genommen haben: David Knorr (TW), Fabi Gohl (TW), Patrick Heyer (7), Matthias Plewnia (3), Robert Fischer (3), Pascal Cyprian (5), Pascal Pemöller (2), Liam Bartlett (2), Dean Cyprian (3)

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