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Spielberichte 1. Herren

Indiana Fischer und das Abenteuer der Kreisliga

Der Saisonbericht zur Kreisligasaison 2021-22

Wat war denn überhaupt los?

The Boys are back in town – endlich. Die Wiederaufnahme des geregelten Handballsportbetriebs, bei dem sich gestandene Männer in nach altem Schweiß riechenden Schulturnhallen unter leicht flackernder Beleuchtung Abende um die Ohren schlagen und Bälle um die selbigen zimmern, ist mit dem musikhistorischen Ausruf der Inselrocker Thin Lizzy abschließend umschrieben. Natürlich gibt es ein wenig mehr zu erzählen zum Abenteuer Kreisliga, in das Indiana Fischer seine Rasselbande führte. Aber beginnen wir doch ganz unkonventionell am Anfang. Die Geschichtsschreibung kennt Freitag, den 30.07.2021 als einen lauen Sommertag. In den Nachrichten dominiert die nach dem Wochenende eingeführte Testpflicht als neueste Coronamaßnahme und die Handballer des VfL Bochum starten mit einem 27:23 gegen die Zweitvertretung von Westfalia Herne so richtig in die Vorbereitung auf die Kreisligasaison 2021/2022. Nach der abgebrochenen Corona-Saison 2019/2020 und der ausgefallenen Spielzeit 2020/2021 musste sich die Truppe des Trainergespanns Rob „Rob Fischer“ Fischer  und David „Bomber“ Stroop viel zu quälend lange mit Laufchallenges und Home Workouts über Wasser halten, ohne dass der verheißungsvolle Sound eines mit Harz gestreichelten Kunststoffballs der Größe 3, Umfang zwischen 50 und 60 Zentimetern und mindestens 425 Gramm schwer, der auf einen leicht staubigen Hallenboden aufprallt, die Trommelfelle der darbenden Recken liebkoste.

Neben der Ligazugehörigkeit – die Quotientenregel hatte die Bochumer in die erste Kreisligasaison seit längerer Zeit gespült – hatte sich auch das Personalkarussell etwas gedreht. Den Abgängen von Stammtorwart Dennis Kocian, Spätzlebomber Dominik König und Flügelflitzer Daniel Verhoeven aus beruflichen Gründen standen die Zugänge von Fabi Gohl aus Hattingen, Jannis Frank aus Letmathe und Ben Richert aus Dortmund gegenüber. Zusammen mit den auskurierten Verletzungen von Cedric Gonzalez und Niklas Willrodt war der Kader in der Tiefe und Breite fit für die Kreisliga.

Das erste Spiel, der erste Paukenschlag. Beim späteren Tabellenzweiten aus Walltrop setzte es zum Auftakt eine krachende und auch in der Höhe verdiente Niederlage. Dieser Sand im Getriebe war aber schnell abgeschüttelt, als der Maurermeisterbetrieb VfL und Söhne im ersten Heimspiel die alten Bekannten von Ruhrbogen Hattingen mit einer bärenstarken Abwehr deklassierte und eine Serie von sieben Spielen mit nur einer Niederlage startete. In der mit lediglich sieben Mannschaften bestückten Gruppe war nach der Hinrunde bei 7:5 Punkten der Klassenerhalt bereits in greifbarer Nähe und der insgeheim angepeilte Tabellenplatz Drei noch greifbar. Nach drei sieglosen Spielen mit Unentschieden in Hattingen und gegen den BHC und einer verdienten Niederlage im Nachholspiel in Waltrop nutzte die Mannschaft im Holztempel in Olfen und im letzten Heimspiel gegen Rauxel die Matchbälle und sicherte sich bereits vor der abschließenden Niederlage beim TuS aus Hattingen Platz Drei.

Auffällig in einer von langen Pausen und fehlendem Rhythmus geprägten Saison, in der die Personaldecke des VfL durch schwere Verletzungen und spontane Abgänge immer löchriger wird, ist die fehlende Konstanz im Spiel der Bochumer. Bärenstarke Leistungen wie der Sieg im Stadtderby beim BHC und das nur knapp verlorene Hinspiel gegen den TUS Hattingen wechseln sich ab mit den Unentschieden in Rauxel und bei Ruhrbogen Hattingen. Gerade mit fehlender Spielpraxis merkt man der Mannschaft an, dass über weite Teile der Saison mit Lars Sikorski und dem körperlich angeschlagenen Kapitän Jannik Kocian erfahrene Optionen im Rückraum fehlen, die in engen Spielen mit Abgebrühtheit und Cleverness zwei Punkte sichern könnten. Mangelndes Spielglück kommt noch dazu. Insgesamt gibt es in dieser Saison vier! Siebenmeter mit Ablauf der Zeit. Den ersten verwandelt Iceman Alex Cousen zum umjubelten 30:29 beim BHC, sicherlich dem Highlight der kurzen Saison. Die anderen drei Strafwürfe kassiert der VfL unter teilweise fragwürdigen Umständen und ist damit der Unentschiedenkönig der Liga. Bei allen drei Punkteteilungen mit Beteiligung des VfL hätte ein wenig mehr Cleverness und Ruhe, die immer auch durch Erfahrung bedingt ist, eine gefühlte Niederlage abgewendet. Wie so oft in der Saison bleibt beim VfL auch nach dieser Spielzeit Kopfkratzen zurück. Auf der einen Seite hat sich die Mannschaft im ersten Jahr Kreisliga nicht nur mit Ruhm bekleckert und den eigenen Stiefel zu selten heruntergespielt. Das bekannte Muster hat sich aus den letzten Jahren weiter durchgezogen und die eigene Leistung wurde zu oft dem Gegner angepasst. Zwar sind auch Perlen wie der Sieg beim BHC oder die starke Leistung im Heimspiel gegen den TuS Hattingen entstanden, aber die Unentschieden bei Ruhrbogen, in Castrop und auch der Auswärtssieg in Olfen zeigten den VfL deutlich unter den eigenen Möglichkeiten.

Auf der anderen Seite muss jeder Mannschaft im Breitensport nach den Entbehrungen der Coronazeit Respekt gezollt werden. Eine mannschaftliche Struktur und Geschlossenheit lässt sich über Zoomcalls nur sehr schwer aufrechterhalten und auch das Bierchen danach ist digital nicht das Wahre. Mit umso gewaltigerer Wucht bricht dafür die Welle der Freude über den gemeinen Handballer herein, wenn endlich wieder der eingesprungene Abknickwurf aus dem Rückraum das Tornetz auf Materialbelastbarkeit testet, wenn endlich wieder Fiege-Flaschen vor der Halle mit einem in den Ohren süß wie Honig klingenden „Plopp“ geöffnet werden und die einzige Frage des Tages ist, wer denn nun den elementar wichtigen Harzpott dabeihat.

Nicht unterschlagen werden soll die große Bereitschaft der zweiten und sogar dritten Herrenmannschaften des VfL, bei Not am Mann auszuhelfen und die Erste zu unterstützen. Gelebter Vereinszusammenhalt zeigt sich genau dann, wenn es knifflig wird, und so haben aushelfende Spieler mit acht Toren in elf Einsätzen und den Optionen und Verschnaufpausen, die sie dem Trainerteam und den Mannschaftskollegen verschafft haben, einen nennenswerten Anteil am Klassenerhalt. Danke Jungs, so geht gelebter Vereinssport.

Unterm Strich hat das Team trotz aller Widrigkeiten in der kleinen Liga eine respektable Leistung gezeigt und darf als Belohnung in der Saison 22/23 in eine hoffentlich geregeltere und längere Kreisligasaison gehen. Besonders hervorheben an der abgelaufenen Spielzeit muss der Chronist auch, dass trotz der langen Pause und der regelmäßigen, mehrere Wochen langen Phasen ohne befreiende Ligaspiele am Wochenende die Moral und der Zusammenhalt in der Mannschaft top sind. Natürlich leidet unter der nicht zu ersetzenden Wettkampfpraxis auch die Trainingsleistung und auch die zu Beginn sehr hohe Trainingsbeteiligung lässt sich ohne regelmäßige Spiele nur schwer aufrechterhalten. Trotzdem bedeutet Handball beim VfL auch in der Saison 2021/2022 leistungsorientierter Breitensport mit einer sympathischen Truppe, die sowohl in der Halle als auch beim geselligen Zusammensein ihre unschlagbaren Qualitäten hat.

Hat Spaß gemacht, Jungens, gerne mehr davon.

Ein Rob, sie alle zu knechten

Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! – Jesus

Keine Erzählung über Handball in Bochum im Allgemeinen und im malocherblauen Trikot des VfL im Besonderen wäre komplett ohne die Erwähnung eines Mannes, der bereits beim allerersten Networking-Seminar vor über knapp 2000 Jahren besonders gut aufgepasst hat. Als Robert Fischer die Mannschaft zur Saison 2017/2018 spontan übernommen hat, stand eine gut gefüllte Tüte Buntes auf der Platte, die zwar mit guten Einzelspielern bestückt war, aber gewachsene Mannschaftsstrukturen maximal erahnen ließ. Aus dieser Bande amazonasfischender Studenten hat Rob Fantastic eine eingeschworene Truppe geformt, bei der sich über die Jahre klare Strukturen und Routinen ausgebildet haben. Seine tausend Spitznamen und hundert Phrasen, die so manchen Außenspieler schon aus der Kabine getrieben haben, überdecken manchmal ein feines Gespür für die unsichtbaren Strömungen und kleinen Zipperlein der VfL-Seele. Auch der Fokus auf die handballerischen Basics geht manchmal unter hinter den zahlreichen Anekdoten und Spielzügen, die für Rob 1-100 immer im klaren Torerfolg enden, hat aber dem Spiel der Bochumer eindeutig gutgetan.

Nicht zuletzt ist der Mann, der Finalgon auch zum Zähneputzen nutzt und manchem Apotheker mit seinen Mittelchen zu jeder Gelegenheit das kalte Grauen ins Gesicht treiben würde, ein gerader, ehrlicher und aufrichtiger Typ. Hinter einer großen Klappe steckt einiges dahinter und Rob kann sicher über jeden, der seit 1990 im Großraum Bochum einen Handball auch nur schräg angeschaut hat, eine amüsante Anekdote ausgraben. Auf der anderen Seite hat auch jeder Handballer beim VfL eine vertieft vergnügungssteuerpflichtige Geschichte über Rob im Repertoire, die, egal ob es der grandiose Einsatz auf der Mitte bei Elmar Herne in grauer Vorzeit oder der besonders ambitionierte Heber in Riemke in der vergangenen Saison sind, immer aus einem tiefen Respekt und in dem Verständnis des zusammen Erreichten zum Besten gegeben wird. Über Rob lachen ist fast unmöglich, mit Rob lachen dagegen unausweichlich.

Rob hat auf dem von Uwe und Basti geschaffenen Fundament aufgebaut und in der vergangenen Saison mit dem Klassenerhalt in der Kreisliga sein Werk erfolgreich zu Ende gebracht. Da die Ansprüche aus dem Beruf eine regelmäßige Trainingsleitung nicht mehr zulassen, übergibt der Aufstiegstrainer das Amt in die fähigen Hände seines bisherigen Compagnons David Stroop sowie von Lars Sikorski. Rob, auch wenn dein ansteckendes Lachen und deine Sprüche nach dem Training fehlen werden, wird man sich noch häufig in den Hallen des VfL sehen. Du kannst ja doch nicht anders. Danke.

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