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Spielberichte 1. Herren

Herzschlagfinale die 4.

VfL Bochum – Bochumer HC 23:23 (13:11)

Für Fixe: Der VfL muss in einem kampfbetonten Bochumer Derby den Ausgleich in letzter Sekunde hinnehmen.

Das Jahr 2022 ist angebrochen, statt steigender Inzidenzen und neuartiger Virusvarianten stand am vergangenen Samstag im Schatten der Fiege-Brauerei am Ostring das erste Kreisligaspiel für die Recken des VfL Bochums an. Die knapp acht Kilometer die Unistraße hoch aus Langendreer angereist war der Bochumer HC. Auf der Speisekarte stand das Bochumer Derby – heute im Kardiologenspezialmenü mit extra Spannung und einer großen Portion Nägelkauen. Schon das Hinspiel war nichts für schwache Nerven gewesen, hatte doch der Mann mit Frostschutzmittel in den Venen, Alex „Magic Magic“ Cousen, mit seinem Leger mit der Patentnummer DE4630VFL das Spiel von der Siebenmeterlinie entschieden. Mussten in der Hinrunde noch die Gäste auf zahlreiche Spieler verzichten, standen jetzt die personellen Vorzeichen für die Heimmannschaft schlechter. Das Langzeitlazarett war mit Rechtsaußen Cedric Gonzalez, Kreisläufer Ben Richert und Kapitän Jannik Kocian weiterhin gut gefüllt. Zumindest Routinier Lars Sikorski und Backsteinwerfer Moritz Wetzel hatten sich aber zum Spieltag wieder fit gemeldet und verringerten die Personalsorgen des Trainergespanns. Der VfL geht mit der Maßgabe ins Spiel, hinten um jeden Preis Beton anzurühren und vorne wie so oft die klaren Chancen geduldig zu erspielen und dann auch zu nutzen. Handball reden ist aber langweilig, Handball spielen muss die Devise sein.

Ins Spiel starten die Mannen des Trainergespanns Fischer-Stroop mit etwas Sand im Getriebe. Die ersten vier Würfe landen bei den gut aus den Startblöcken kommenden Schnappern und erst nach zwei Minuten eröffnet der Linksaußen der in rot gekleideten Gäste nach einem Abpraller den Torreigen – trotzdem der Startschuss für zehn bärenstarke Maurerminuten des VfL. Aus dem 0:1 macht das Heimteam gnadenlos effizient ein 5:1, kann sich hierbei in der Anfangsphase auf die gute Deckung und Torwart David Peters verlassen, die den Angriff des BHC immer wieder zu schwierigen Würfen zwingen. Vorne zeigt sich der Rückraum sowohl schießwütig als auch treffsicher und als in der elften Minute Kreisläufer Niklas Willrodt in bester Markus-Ahlm-Gedächtnismanier einen Zuckerpass erst einhändig fängt und dann in die Maschen schweißt, hat sich die Fischer-Sieben etwas absetzen können. Unnötige technische Fehler und zu überhastete Würfe im Angriff und etwas Pech mit abgefälschten und zweiten Bällen in der Deckung bremsen den ins Rollen gekommenen Zug in Dunkelblau aber aus. Über 6:3 und 8:5 kann der BHC auf Tuchfühlung bleiben, bevor der im Hinspiel noch unglückliche Rückraumshooter der Gäste den Schnapper des VfL regelrecht über den Haufen ballert und mit drei Treffern die Uhren wieder auf Null dreht. Einige personelle und taktische Wechsel – eine Leo-Hardam-Spezialbehandlung für die Rückraumkeule inklusive – später fängt sich die Heimmannschaft wieder. Wie schon im Hinspiel netzt Max Birkemeier stark von Rechtsaußen, Fabi Gohl – inzwischen zwischen den Pfosten – pariert einige schwierige Bälle und zehn Sekunden vor der Pause hämmert Abwehrchef Patrick Heyer die Kugel humorlos zum 13:11-Pausenstand in die Kiste.

In der Pause mahnt das Trainerteam an, wachsam zu bleiben und den Bochumer HC nicht noch mehr ins Spiel kommen zu lassen. Die eigene Konzentration und Geduld würden dieses Derby entscheiden.

In der zweiten Halbzeit entspannt sich kein hochklassiges, aber spannendes Spiel. Den Anschlusstreffer der Gäste kontert der VfL mit einer schnellen Mitte und kann sich dann erst auf 16:13 absetzen, bevor technische Fehler und ein vergebener Strafwurf dem BHC den Ausgleich erlauben. Zwei Rückraumkracher von Backstein Moritz Wetzel und die nächste Klebe aus schlechtem Winkel von Max stellen den alten Abstand wieder her und passen ins Bild. Der VfL hat bis zur 45. Minute eine starke Wurfausbeute und gewinnt das Duell auf der Torhüterposition deutlich, muss aber immer öfter der mangelnden Konzentration und daraus resultierenden Fehlpässen Tribut zollen. Beim 21:18 und 22:19 in der 51. Minute bleibt die Drei-Tore-Führung bestehen, aber dann bricht der personell geschwächte VfL spielerisch ein. Bis zur 58. Minute kann der BHC in einer zerfahrenen Partie mit wenig Spielfluss ausgleichen. Dann kauft der Torwart des VfL dem treffsicheren Außen des BHC einen wichtigen Ball ab und eine Minute vor Spielende hat das Heimteam alle Trümpfe in der Hand. Die letzte Minute streckt sich unendlich, die Zeit zerfällt in quälend lange Sekunden, eine Sirene erschüttert die Gemüter, als der Treffer zum 23:22 von Leo Hardam wegen Time-Out zurückgenommen wird. Die richtige Bochumer Mannschaft pustet durch, nimmt noch einmal Zeit von der Uhr und zehn Sekunden vor dem Ende drischt Julius Kirschner die Murmel mit Urgewalt zu seinem achten Tor ins Kreuzeck. 23:22, Timeout BHC, sechs Sekunden zu spielen. Einzige Ansage der Trainer ist es, wach zu bleiben, dem BHC keinen einfachen Wurf zu ermöglichen und kein hartes Foul zu riskieren. Der BHC spielt schnell, nimmt sich einen ungünstigen Wurf von Linksaußen, der sichere Beute von Torwart Fabi wird und das Spiel ist durch. Denkste, Pustekuchen, schön wärs. Ein Kontakt gegen den Werfer sorgt für eine rote Karte gegen Max Birkemeier und zum vierten! Mal im achten Spiel gibt es zum Ende einen entscheidenden Siebenmeter. Durfte gegen Ruhrbogen noch Fabi Gohl sein Glück versuchen, ist es diesmal Schlussmann David Peters, der dem Schützen gegenübersteht. Nützen tut das nix, der Ball zappelt sicher im Netz, der VfL geht zum dritten Mal in dieser Saison als gefühlter Verlierer vom Platz.

Mund abputzen, weitermachen, Phrasen dreschen. Zuerst das Negative, was einfach von der Seele muss. Zum dritten Mal in dieser Saison kassiert der VfL einen Ausgleich per Siebenmeter zum Spielende. Zum dritten Mal reicht es haarscharf nicht zum Sieg. Ob das Unentschieden schlussendlich verdient oder leistungsgerecht war, interessiert nach Abpfiff auch niemanden mehr. Fest steht, dass in solchen Spielen die Leistung nicht reicht. Weniger gegen den BHC; aber insbesondere gegen Ruhrbogen und Rauxel ist Bochum die stärkere Mannschaft und kriegt den Deckel nicht drauf. Zu einem konstant starken Spiel gehören 60 Minuten, nicht nur bombastische 10-15, wie sie eigentlich jedes Spiel abgerufen werden. Trotzdem ist die Fischer-Sieben seit vier Spielen ungeschlagen und hat mit dem gewonnenen direkten Vergleich gegen den BHC den dritten Platz in der Liga gefestigt. Moral und Stimmung in der Mannschaft lassen keine Kritik zu, auch schwierige Situationen und etwas Knirschen im Innenleben wird der Teamgeist verkraften. In die nächsten beiden Spiele gehen die Bochumer ohne Druck, gegen die überragenden Mannschaften der Liga kann man befreit aufspielen und zeigen, wie gut man oben mithalten kann.

Spieler des Spiels wird der heutige Chefkanonier Julius, der neben wuchtigen acht Toren auch durch eine gute Deckungsleistung beeindruckte.

Der Spruch des Tages liefert einen Einblick in das Innenleben der Mannschaft, beschwert sich doch der vollschlanke Schnapper Fabi über den Unglauben des Trainerduos zwecks der allgemeinen Kreisläuferverköstigung lautstark: Wat, meinst du, Dicke essen kein Obst?

In diesem Sinne für den VfL an den Siegeslorbeeren gerochen haben: David Peters (TW), Fabi Gohl (TW), Leo Hardam (3/2), Max Birkemeier (4), Alex Cousen (1), Patrick Heyer (2), Moritz Wetzel (4), Lars Sikorski, Torben Aspöck, Niklas Willrodt (1), Julius Kirschner (8).

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