DJK Westfalia Welper 2 – VfL Bochum 26:38 (14:17)
Für Fixe: Die Bande Bochumer Buben bekommt ihren Handballstiefel 60 Minuten auf die Platte gedrückt und gewinnt auch in der Höhe verdient endlich wieder.
Handball ist – wenn auch die schönste Nebensache der Welt – ein klarer Ergebnissport. Auch im Amateurbereich, wo der Fokus vielleicht einen Herzschlag eher in Richtung der Gestaltung des Samstagabends abdriftet oder das gemeinsame Schnacken vor oder nach dem Training sich subtil in den Mittelpunkt rückt, ist die Anzahl der selbst geworfenen Tore in Relation zu der Menge an Eiern, die der eigene Schnapper aus dem Netz fischen musste, nicht gänzlich unbedeutend. Und diese Kennzahl war beim VfL aus Bochum wie die herbstlich von den Bäumen fallenden Blätter ordentlich in den Keller gerauscht, mit der Niederlage beim Chaosspiel in Recklinghausen in der Vorwoche als unrühmliche Kirsche auf der Sahnetorte. Aus einem 7:3-Saisonstart war beim 7:9 ein negatives Punktekonto geworden und der optimistische Blick nach oben musste hinter sich gedreht werden. Großes Manko war der Angriff, die PS der schnellen Gegenstöße kam kaum noch auf die Platte und die Bochumer Ballermänner hatten klare Ladehemmung – nur noch 20,7 erzielte Tore aus den drei Niederlagen stehen 27,8 Toren aus den ersten fünf Spielen gegenüber. Mit so einer Serie kommt das Auswärtsspiel in Welper gerade recht. Nicht, weil Spiele in Welper historisch immer so leicht sind und die Bochumer Westfalia als Aufbaugegner kennen, sondern vielmehr, weil die DJK mit einer soliden Deckung und einem guten Torwart dahinter ein weiterer Gradmesser dafür ist, ob die Mannen vom Trainerduo Stroop/ Wiegand in der Lage sind, den Bock umzustoßen. Personell ist das Karussell wieder angeschmissen, Dennis Galbas und Niklas Willrodt – endlich wieder nach längerer Verletzungspause – ersetzen die verhinderten Roman Saure, Gordon Kempkes und Zaubermaus Alex Cousen. 13 Namen zieren den Spielberichtsbogen, dem Welper mit 10 Spielern in der Breite nichts adäquat entgegenhalten kann. Handball spielt sich allerdings nur mit maximal sechs Feldspielern, die Maßgabe muss also sein, aus der bekannten blauen Wand klare Chancen herauszuspielen und – komme, was wolle – den absoluten Fokus auf die eigene Leistung legen. Die Stimmung ist schon vor der Halle gut, wird in der Kabine noch besser und als der Knorrwart seine Vorderleute vor dem Anpfiff lautstark auf ein überzeugendes Spiel einstimmt, hat der VfL richtig Bock auf Handball.
Zu Beginn des Spiels ist es aber der Gastgeber, der das Heft des Handelns in die Hand nimmt. 4:2 steht es nach sechs Minuten und nur der Einsatz von Capitano Jannik Kocian, der das 3:2 aus einer schnellen Mitte selbst erzwingt, rüttelt die Gäste so langsam wach. 7:4, 7:5, 7:6, die Bochumer Deckung findet langsam besser in die Spur, legt die Lethargie der Vorwoche ab und hält das Spiel offen. Nach zwölf Minuten kommt der erste von zwei Knackpunkten in der ersten Hälfte. Gohli Fabi, in Recklinghausen noch aus der Haut gefahren, kommt für den Knorrwart, der nicht seinen besten Tag hat, zwischen die Pfosten und brennt sich direkt in die Hirne der Gastgeber. Paraden gegen den Rechtsaußen und Halblinken in schneller Folge sorgen dafür, dass Bochum beim 9:9 ausgleicht und Welper zur ersten Auszeit zwingt. Die Gastgeber haben aber nicht mit dem Coach gerechnet. David Stroop hat sein Stroopolix-Druidenkostüm wieder ausgepackt, der VfL kommt mit zwei Toren aus dem Timeout und ist nicht nur drin im Spiel, sondern hat die Bremsen des Zuges schonmal gelockert und am Bahnhof ausrufen lassen, dass gleich Abfahrt ist. 12:15, 13:17, das Pendel schlägt immer mehr zu Seiten der Bochumer aus. Von Schlägen kann auch Dennis Galbas ein Liedchen singen, denn seine Welperaner Vergangenheit bewahrt den Bochumer Mittelmann nicht davor, die Hand des DJK-Halbrechten mit dem Gesicht zu fangen. Rot ist die harte, aber vertretbare Entscheidung, nach der der VfL gegen dezimierte Gastgeber mit 14:17 in die Pause geht.
Durchatmen, neu fokussieren – denn inhaltlich gibt es zu den ersten dreißig Minuten wenig zu meckern. Eine gute erste Halbzeit muss durch eine sehr gute zweite Hälfte vergoldet werden. Bochum hat es in der Hand, die zarten Hoffnungen der Gastgeber direkt im Keim zu ersticken.
Den Gastgebern gebührt zwar mit dem 15:17 der Auftakttreffer für Halbzeit Zwei, dann zeigen die Bochumer aber schnell, wer hier den Ton angibt. In der Pause haben die Maurermeister anscheinend schnell eine Weiterbildung zu Mechanikern gemacht und am VfL-Zug die Bremsen komplett abgebaut. Aus einer vielarmigen Deckung vor einem jetzt komplett freidrehenden Fabi fliegen den Gastgebern Gegenstöße und zweite Wellen nur so um die Ohren. Schnell steht es 15:21 und beim 17:24 nur sechs Minuten nach der Pause ist es ein 7:3-Lauf, der die nächste Auszeit der Gastgeber beschwört. Aus dem Timeout kommt ein kleines Aufbäumen, näher als beim 19: 25 kommt Westfalia aber nicht mehr heran. Nach 43:54 obliegt es Springfloh Leo, beim 20:30 nicht nur das 30. Tor zu erzielen, sondern auch erstmals auf zehn Tore Vorsprung zu stellen. Bis zum Ende merkt man den Bochumern an, dass Handball richtig Spaß machen kann. Getragen von der Erleichterung, doch zocken zu können, gelingt im Angriff fast alles. Die logische Schlussfolgerung beim 26:38-Endstand ist der höchste Saisonsieg und die Rückkehr in die Erfolgsspur.
Eine starke Saisonleistung gegen einen Gegner, dem nach der roten Karte in der ersten Halbzeit und einer Verletzung in der zweiten Hälfte am Ende die Körner fehlen, trägt den VfL zum komplett verdienten Auswärtssieg. Die Bochumer zeigen, dass sie mit dem Fokus auf das eigene Spiel und der Freude am Handball als gemeinsamer Sport die vorhandene handballerische Klasse auch über 60 Minuten abrufen können. Gelingt das, ist der VfL ein ernstzunehmender Gegner. Gelingt es nicht, so sind Leistungen wie in Recklinghausen die logische Konsequenz.
Besser ausgedrückt hat es nur Trainer David Stroop, der für den Spruch des Tages gut ist: Wenn wir zusammen spielen, gewinnen wir, wenn nicht, dann nicht. Aber das machen wir ja.
Spieler des Spiels, Aushilfszimmermann und Spender der Siegerkiste wird Torwart Fabi, der hervorragend halten kann, wenn er konzentriert bleibt (oder um es mit den Worten des Capitanos zu sagen: Schau mal, wie es funktioniert, wenn man nicht direkt den ganzen Lattenzaun verliert).

In Welper zurück in die Erfolgsspur gefunden haben: David Knorr (TW), Fabi Gohl (TW), Max Birkemeier (3), Dennis Galbas (4), Paul Ruppersberger, Mark Stinn, Sebastian Knihs (4), Leo Hardam (8/3), Lasse Benking (4), Sascha Behnke (6), Matthias Plewnia (5), Niklas Willrodt (2), Jannik Kocian (2).