Waltroper HV – VfL Bochum 39:21 (18:8)
Für Fixe: Eine junge Bochumer Mannschaft kann in Waltrop nicht an vorherige, starke Leistungen anknüpfen und unterliegt dem Tabellenführer deutlich.
Auswärtsspiel in Waltrop – in den vergangenen Saisons entweder nicht vorhanden, weil der HV in der Bezirksliga oder der VfL noch in der Kreisklasse die Harzpille fliegen lassen mussten oder aber eine überaus unangenehme Fahrt für den VfL. Gegen die abgeklärte und starke Spielweise der Gastgeber war selten ein Kraut gewachsen, lediglich im Hinspiel unter der offensichtlich mit mystischen Kräften aufgeladenen Reklame der Fiege-Brauerei in den leuchtenden Farben konnten die Bochumer einen Punkt in der schönsten Stadt im Ruhrgebiet behalten. Die Vorzeichen für das Rückspiel sahen da allerdings deutlich schlechter aus. In die lange Liste der Lazarettbesucher der Stroop-Siechenden gesellte sich auch noch die arbeitende Bevölkerung. Sowohl Jonas Knaust als auch Sascha Behnke sind beide beruflich verhindert, was die ohnehin angespannte Personalsituation noch weiter anspannt. Immerhin kehrt mit Leo Hardam eine wichtige Offensivkraft zurück. Die offenen Kaderplätze belegen sechs A-Jugendliche, neben „alten“ Bekannten wie Diego Jakobs und Lasse Benking gibt Kreisläufer Finn Mönch sein Herrendebut. In ein Spiel, in dem Bochum befreit aufspielen kann, geht es nach aufrüttelnden Worten von Leo mit Anwurf für den VfL.
Um es kurz zu machen – Bochum hat keine Chance an diesem Tag, greift bei der eigenen Leistung nämlich bis zum Schultergelenk in den Misthaufen. Waltrop ist mental und körperlich schneller, spielt einen saubereren Ball und kauft den Gästen konsequent den Schneid ab. Nach den ersten zehn Minuten führen die Gastgeber bereits mit 6:2 und auch das 9:5 nach sechzehn Minuten – ein Treffer, bei dem Finn den Ball erst stark verarbeitet und dann kaltschnäuzig einnetzt – zeigt nur kurze Linderung. Es bleiben über die ersten dreißig Minuten einzelne Glanzpunkte – eine Doppelparade gegen Durchbruch und Kreisläufer vom Knorrwart, starke Abschlüsse von Leo oder der patentierte Lorenz-Shuffle vom ebenfalls wieder zurückgekehrten Happy. Dieser schickt seinen Gegenspieler erst in die falsche Richtung, dann mit einer Zeitstrafe auf die Bank und schließlich den Ball mit Urgewalt in den Giebel. Nützen tut das nur wenig, denn ein wirkliches Zusammenspiel kommt selten auf. Viele Fehler bestimmen das Spiel, zur Pause führt der Tabellenführer mit 18:8.
In die Kabine geht es mit gesenkten Köpfen. Das Spiel hat sich für die Bochumer in die komplett falsche Richtung entwickelt. Jetzt heißt es, Charakter zu beweisen und die zweite Halbzeit ordentlich zu bestreiten.
Auch das gelingt nicht. In der zweiten Hälfte zeigt ein häufig von Zeitstrafen dezimierter VfL eine wilde Vorstellung, kann sich für gute Aktionen selten belohnen und schießt sich mit Enthusiasmus regelmäßig selbst in das mit einem Schoner geschützte Knie. Dass Lars Wegge zeitweise das Tor zunagelt, Bochum noch das 20. Tor macht und dem Gastgeber zumindest Tor Nr. 40 verwehrt bleibt, sind winzige Trostpreise an einem für die Bochumer wirklich gebrauchten Tag. Am Ende bleibt beim 39:21 für Waltrop ein dicker Brocken, an dem die Gäste erst einmal zu knabbern haben werden.
Nicht jedes Spiel in der Liga zu gewinnen, geschenkt. Hohe Niederlagen beim Tabellenführer – auch verschmerzbar. Waltrop steht berechtigt oben in der Tabelle und spielt wahrscheinlich den besten Ball der Liga. Um Zählbares mitzunehmen, hätte sich die Bande an diesem Sonntagabend schon sehr strecken müssen. Dass sich die Sporthalle am Sportzentrum Nord für die Bochumer Ambitionen aber als so tödlich erweist, kann auch nicht mit dem naheliegenden Friedhof erklärt werden. Rückzugsverhalten, Kampf in der Deckung und der unbedingte Wille sind über sechzig Minuten zu selten zu erkennen. Der VfL als Mannschaft sucht fast geschlossen die intensive Beschäftigung mit Details der Schiedsrichterei und sammelt als Quittung Strafe um Strafe, was zwar die Mannschaftskasse freut, aber auch ein zusätzliches Indiz für das verlorene Selbstverständnis der Bochumer ist. Der unbedingte Fokus auf die eigene Leistung, die Abkehr von Zwischengeräuschen und das Vertrauen, dass die Mannen links und rechts neben dem Spieler in die Bresche springen werden, ist in den Wochen seit dem Jahreswechsel etwas gebröckelt. Das gibt nicht nur dem Trainerteam, sondern vielmehr jedem einzelnen Spieler, der sich das dunkelblaue Trikot über die stolze Brust stülpt, Anlass zur Selbstreflektion. Ist der Einsatz für Mannschaft und Verein so, wie es die Arbeit der letzten Jahre und der Aufstieg erfordern? Die Antwort kann die Mannschaft am kommenden Samstag in der Heimhalle am neuen Gymnasium gegen Rauxel-Schwerin geben. Dass wir es können, haben wir bereits oft genug gezeigt.
Spieler des Spiels – ob der sehr früh einsetzenden Altersdemenz von Diego Jakobs allerdings ungekrönt – wird Zimmermann Lars Wegge.
Einen Spruch des Tages spart sich der Chronist nach einem solchen Spiel.
In Waltrop gespielt haben: David Knorr (TW), Lars Wegge (TW), Max Birkemeier, Leo Hardam, Erik Kirchberg, Max Lorenz, Alex Cousen, Jannik Kocian, Diego Jakobs, Lasse Benking, Noah Werner, Matthias Plewnia, Torben Nolting, Finn Mönch.