Unsere Hauptsponsoren

Allgemein

Wattenscheid, Westerholt – was ein Mist

VfL Bochum – HSV Westerholt 2 19:25 (8:9)

Für Fixe: Bochum spielt 40 Minuten gute Deckung und 0 Minuten starken Angriff – unterm Strich sind daraus resultierende 19 Tore zu wenig, um gegen ihren Stiefel souverän spielende Gäste aus Westerholt zu bestehen.

Die Herbstpause ist vorbei, der November grüßt trotzdem mit wunderbar sonnigem Herbstwetter und treibt die Bochumer Bande in die wartenden Arme einer längeren Serie von Kreisligaspielen. Damit der Tag nicht zu schön wird, muss die Truppe nach Wattenscheid zöckeln – nur Altmeister Paul Ruppersberger spaziert gemütlich aus seiner Haustür zur Halle. Schnürt man ein Paket zusammen mit der Pokalpartie Anfang Dezember wartet in sechs Wochen fünf Mal Harz, Schweiß und Pilsbier auf die Mannen des Trainergespanns Stroop/Wiegand. So langsam kommt in einer Liga, in der bisher gefühlt jeder jeden schlagen konnte, etwas Fleisch an den Knochen, erste Mannschaften diffundieren in Richtung Tabellenspitze.  Auf dem Weg nach oben war auch der VfL – zumindest, bis der Höhenflug abrupt in den Baumwipfeln von Gladbecker Bäumen geendet ist – wir berichteten.

Um wieder in die Spur zu finden, gibt es allerdings bessere Gelegenheiten. Mit dem HSV Westerholt 2 hatte sich ein Team angekündigt, welches für die Heimmannschaft eine große Wundertüte werden würde. 8:4 Punkte, davon alle vier Siege in den letzten vier Spielen und personell die große Unbekannte lassen nur einen Schluss zu: Bochum muss den Fokus in Vorbereitung und Spiel komplett auf sich selbst setzen, kann mit Dennis Galbas und Sascha Behnke wieder auf mehr Durchschlagskraft bauen und muss das Tempospiel aus einer guten Deckung forcieren. 14 Spieler zieren den Spielberichtsbogen, der bekannte Spielplan „Gaspedal an der Ölwanne festschrauben“ ist eingeplant und Capitano Jannik macht seine Mannen nochmal richtig heiß, denn ab Spielminute Eins muss es richtig krachen.

Richtig krachen allerdings nur die Kiefer der Zuschauer beim ausgiebigen Gähnen, denn das Spiel beginnt zäh. Der VfL spielt zwar bis zum Abschluss durchaus gefällig, bringt seine Schützen in gute Wurfpositionen und verballert die ersten Abschlüsse entweder gegen den Torhüter der Gäste oder direkt an der Bude vorbei. Über 3:3 und 5:5 klappt bei den im Dunkelblaumann malochenden Bochumern entweder das Spiel über den insgesamt viermal netzenden Knihser am Kreis oder über das Tempo. Dass die Gäste daraus kein Profit schlagen können, liegt am sein Tor in der ersten Halbzeit vernagelnden Knorrwart. Zwölf Minuten lang gelingt der Truppe aus Herten nur ein Törchen und auch in doppelter Unterzahl hält der Schnapper seine Bude sauber, feiert die Paraden charakteristisch lautstark.  Nach 22 Minuten kommt dann der erste richtige Aufreger der Partie. Der wurfstärkste Spieler der Gäste kreuzt im Rückzug den Laufweg des Capitanos, dessen urgewaltiger Zug zum Tor im Gegenstoß von den Kräften der Physik und dem Gesetz der Trägheit jäh unterbrochen werden. Ein lauter Knall, kurze Besorgnis um die Gesundheit von Jannik und allgemeine Aufregung werden vom Schiedsrichtergespann eingefangen, welches seine bisher großzügige Linie verlässt und den Übeltäter mit Glatt Rot in die Dusche schickt – eine harte Entscheidung. Aus der Überzahl kann die Stroop-Sieben aber kein Kapital schlagen, muss von 7:6 einen 1:3-Lauf zu 8:9 hinnehmen und geht mit einem knappen Rückstand in die Kabine.

Aus Durchschnaufen nach 30 Minuten Handball wird nichts, denn der Wigandsche Wulkan bricht aus. Trainer Sven wird laut – und das zurecht. Der VfL beschäftigt sich mit Einzelaktionen, Schiedsrichtern, taktischer Marschroute, aber zieht nicht zusammen an einem Strang. Handball macht dann Spaß, wenn die Mannschaft gemeinsam zockt. In den zweiten 30 Minuten heißt es dann – Einer für Alle, Alle für Einen.

Aus der Kabine kommt die Heimmannschaft wie ein Bahnhof voller Stormtrooper mit Stromausfall – genug Zug und viel Geballer, aber wenige Treffer. Ordentlich Tempo im Vorwärtsgang paart Bochum jetzt mit einer gewissen Hektik, die notwendige Ruhe beim Ausspielen der Situationen und beim Torabschluss geht der Bande jetzt etwas ab. Dennis Galbas erzielt nach einem starken 1:1 das erste Bochumer Tor 195 Sekunden nach Wiederanpfiff. Bis dahin hat Westerholt allerdings schon dreimal getroffen, setzt sich über 11:14 und 12:17 bis zum 13:19 nach 45 Minuten ab. Ein echtes Aufbäumen lässt sich schwer erkennen, aus guten Einzelaktionen erwächst kein richtiger Lauf, denn mit dem Gesäß wird eingerissen, was die Hände aufbauen. Eine gute Abwehraktion, ein Steal in der Deckung und vorne wird der Torwart zum Helden geschossen. Ein guter Abschluss vorne und hinten gewinnt der Gegner zu einfach direkte Duelle. Folgerichtig trudelt das Spiel beim 17:22 und 18:24 seinem Ende entgegen, auch eine offene Deckung und Wurffallen für die Außen ändern das Ergebnis nicht mehr. Beim 19:25 nimmt Westerholt zwei Punkte aus Wattenscheid mit.

Eine Niederlage, die weh tut. Nicht nur, weil Niederlagen im Handball immer unschön sind, aber zum geilsten Sport der Welt einfach dazugehören, sondern vielmehr, weil die Art und Weise, in der der VfL sich präsentiert, wenig von den Tugenden zeigt, die sich die Bochumer in den letzten Jahren hart arbeitet haben. Der unbedingte Fokus aufs eigene Spiel, die Bereitschaft, für den Nebenmann in der Abwehr zu ackern und vorne das schnelle und druckvolle Zusammenspiel – all dies sind Faktoren, die die Stroop-Sieben nicht über ein ganzes Spiel auf die Platte bringen kann. Auf der anderen Seite ist auch nicht alles schlecht. Westerholt bei 25 Toren zu halten ist gut und an manchen Tagen hat man im Abschluss einfach bis zum Ellbogen ins Klo statt in den Harzpott gegriffen. Immerhin gibt es keine Möglichkeit, die Niederlage lange wirken zu lassen. Am kommenden Sonntag geht es nach Recklinghausen, wo mit der Zweitvertretung der Eisenbahner von ETG eine Mannschaft wartet, die bisher eher unten in der Tabelle zu finden ist. Anwurf ist um 13:00, Fans sind natürlich gern gesehen, wenn der VfL die Gelegenheit zur Wiedergutmachung nutzen will.

Den Spruch des Tages liefert Paul Ruppersberger, seines Zeichens ein großer Verfechter der Völkerverständigung nicht nur, aber auch zwischen Bochum und Wattenscheid, bereits am Donnerstag in Richtung unseres internationalen Trainingsgastes Johan, dem die Vorzüge der Versorgungssituation im Pott mit der im Ruhrgebiet üblichen Nonchalance nahegebracht werden: We call it Trinkhalle – it’s a Bude.

Buden hat auch der Spieler des Spiels gemacht – Sebastian Knihs trifft vorne viermal, ackert hinten gut und kann so genug Stimmen auf sich vereinen.

Für den VfL geackert, gekämpft, gegault haben: David Knorr (TW), Fabi Gohl (TW), Max Birkemeier (2), Dennis Galbas (1), Paul Ruppersberger, Alex Cousen (2), Sebastian Knihs (4), Gordon Kempkes, Leo Hardam (2), Max Lorenz, Roman Saure (3), Sascha Behnke (5), Matthias Plewnia, Jannik Kocian.