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Nicht schön, aber (Gott sei Dank) selten.

Nicht schön, aber (Gott sei Dank) selten.

TV Gladbeck 2 – VfL Bochum 25:28 (10:15)

Ein weiteres Wochenende, ein weiteres Saisonspiel steht auf dem Terminplan für die Handballer vom VfL Bochum. Nach den sehr erfolgreichen Spielen in den letzten Monaten haben sich die Bochumer Platz um Platz in der Tabelle nach oben gekämpft und residiert auf einem starken dritten Platz. Vier Siege aus den letzten fünf Spielen haben die Mannschaft noch weiter zusammengeschweißt und sollten Trainer und Team eigentlich guter Dinge die gut 35 Kilometer nach Gladbeck reisen lassen. Grund zur Sorge gab allerdings ein Blick auf den Spielberichtsbogen. Von der vollen Bank, die neben lautstarker Unterstützung auch zu jeder Zeit notwendige Impulse und wichtige personelle Alternativen gewährte und maßgeblich zu den vergangenen Siegen beigetragen hatte waren lediglich acht Spieler geblieben. Langer Weg, eine leichte Favoritenstellung – Gladbeck war mit bisher zwölf Punkten eher im unteren Tabellenmittelfeld heimisch – und nur ein Auswechselspieler. Genau die Zutaten, um später griesgrämig nach Hause zu fahren. Genau deshalb wurde auch vom Trainerteam Konzentration angemahnt. Wenn der VfL es schaffen würde, als Team aufzutreten und konsequent sein Spiel aufzuziehen, wäre der zweite Auswärtssieg im Kalenderjahr 2020 greifbar nahe. Ein Dank geht vor dem Spiel an die Spieler, die sich aus der Zweiten in den Dienst des Vereins stellten und in entscheidenden Momenten zur Stelle waren. Danke Pascal, danke Marius, danke Yousseff. Aber auch Sebastian, Andi und insbesondere Zähnchen, die sich ohne zu murren auf der Tribüne auf Abruf hielten. Ganz stark, Jungs!

Rein ins Spiel, ran an die Bulette. Der VfL hatte Anwurf und konnte den ersten Ball direkt verwandeln. Auch im zweiten Angriff zappelte der Ball im Gladbecker Tor, aber die so starke blaue Wand der letzten Wochen zeigte heute auffällig viele Lücken im Mauerwerk. Ob es an der langen Anreise oder der lauten Atmosphäre in der Halle lag bleibt Spekulation. Fakt ist aber, dass der bedingungslose Einsatz und der eine entscheidende Schritt für den Nebenmann heute nicht so da waren wie gewohnt. Gladbeck fand immer wieder Lücken in der Deckung und da David im Bochumer Tor zwar die Griffel an vielen Bällen dran hatte, die aber trotzdem drin waren, stand es fix 5:2 für die Heimmannschaft. Kickstart für die Bochumer, die das Spiel erst in der neunten Minute so richtig begannen, war dann aber doch der Schnapper, der erst dem Halbrechten und direkt danach dem Linksaußen jeweils Bälle abkaufte. Vorne lief das Spielgerät jetzt besser, insbesondere Springfloh Leo konnte durch starke Tore aus dem Rückraum und schlaues Zusammenspiel mit Pascal am Kreis das Spiel auf 6:7 drehen. Minute 17, der Fisch(er)kutter ist auf Kurs. Die Zeit bis zur Pause war die stärkste Phase der Gastmannschaft, die sich in der Deckung festigte, auf einer besseren Torwartleistung aufbauen konnte und vorne eben jene Tugenden zeigte, die sie oft stark gemacht hatte. Druckvoll und vor allem mit Köpfchen wurde Ball um Ball versenkt und als Mittelmann Moritz mit dem Pausenpfiff dem Torwart noch einen Siebenmeter zum Gedenken um die Ohren drosch, ging der VfL mit 15:10 in die Kabine.

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten hatte der VfL die Partie herumgerissen und in den Minuten vorm Pausentee sogar bestimmt. In der Pause wurde trotzdem zurecht angemahnt, die gerade gefundene Spannung nicht wieder zu verlieren. Auch wurde eiskalt betont, dass das Ergebnis besser war als die Leistung. Lediglich die Torhüterleistung und etwas Abschlussglück machten das Ergebnis so klar, wie es war. Insbesondere am Anfang der Partie hatten sich die technischen Fehler gehäuft, auch einfache Pässe waren nicht angekommen und diese Fehler könnten im zweiten Durchgang den Bochumern das Genick brechen.

Aus der Pause kam die Fischer-Sieben, die heute die blauen Trikots unter grünen Leibchen verstecken musste, genau ohne jenes Glück des Tüchtigen. Innerhalb weniger Minuten ging erst Patrick mit zwei Minuten von der Platte und dann bekam Gladbeck vorne einen Lauf. Da auch David im Tor bei einigen Würfen nicht gut aussah, wurde aus dem 10:15 über 16:16 zu schnell ein 18:18. Genau das, was die Gäste nicht gewollt hatten. Ein knappes Spiel, bei dem das Momentum klar auf Seiten der Gladbecker war. Bis hierhin war es die individuelle Klasse der Bochumer gewesen, die den VfL im Spiel gehalten hatte. Ob Daniel von der Grundlinie, Leo und Schwabi aus dem Rückraum oder Max aus der Ecke – irgendwie fand das vollgeharzte Rund immer den Weg ins Eckige, sodass Gladbeck nie in Führung gehen konnte. 15 Minuten vor Ende ruft die Pfeife der Zeitnehmer zur Auszeit des TV Gladbeck, die das aufregende Finale dieses Spiels einläutet. Der Effekt der Auszeit verpufft komplett – eigentlich Bochumer Spezialität, Gladbeck vertraut die nächsten Bälle dem körperlich starken Halblinken an, der mit viel Dampf aus der Bewegung kommt und die Bälle Richtung Hallendecke und Eckfahne schweißt. Vorne hat Yousseff Moritz entlastet, bringt Bewegung in den vorher etwas statischer gewordenen Angriff und macht drei ganz wichtige Dinger. 19:22, ein klein wenig Raum zum Durchschnaufen. Die Abwehr der Bochumer hat sich gefangen, Torhüter David hat die ballkontaktfreie Zeit für beendet erklärt und nimmt hinter einer deutlich stabileren Abwehr dem wurffreudigen Halblinken zumindest den ein oder anderen Ball ab. Vorne trifft das Gästeteam deutlich besser, insbesondere Schwabi setzt entscheidende Würfe. Einmal noch kommt Gladbeck gegen zwischenzeitlich vier wackere Spieler des VfL auf zwei Tore heran. Eine clever gestellte Wurffalle für den Gladbecker Halblinken, der über Außen kommt, wird noch einmal Beute des Towarts, Schwabi gebührt das letzte Tor und damit ist der Spuk vorbei.

Am Ende wird dieses Spiel eine zu knappe Geschichte, die sich insbesondere der VfL selbst zuzuschreiben hat. Gladbeck hat nur dann gut gespielt, wenn Bochum sie gelassen hat. Unterm Strich gewinnt das Gästeteam trotz aller Kritik aber verdient und schraubt die Serie auf vier Spiele ohne Punktverlust. Die 60 Minuten auf der Platte haben jedoch auch gezeigt, dass die Erfolge das Ergebnis harter Arbeit sind. Lässt die Intensität in Training und Spiel nach, leiden darunter Kondition und vor allem Konzentration. Auch die drei Mittel- bis Langzeitverletzten Jannik, Torben und Cedric werden in genau solchen Spielen schmerzlich vermisst.

Am Ende fasst Patrick das Gesehene mit „Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss“ ganz gut zusammen, wobei das Bochumer Pferd zeitweise eher angeschossen durch die Manege stolperte. Spieler des Spiels wird der durch Spätzlepower angetriebene Schwabi, der vier seiner fünf Buden in der zweiten Hälfte macht und zu ganz wichtigen Zeitpunkten trifft.

Weiter geht es am nächsten Wochenende in Wanne. Das Hinspiel ging unentschieden aus, ein heißer Tanz am frühen Sonntagmorgen wirkt vorprogrammiert. Daumen drücken und anfeuern ist gerne gesehen.

Für den VfL in  Gladbeck die Kohlen aus dem Feuer geholt haben: David Peters (TW), Max Birkemeier (4), Patrick Bräuter, Moritz Wetzel (4/3), Dominik König (5), Daniel Verhöven (2), Leo Hadram (8), Yousseff Bolljalala (3), Marius Siebert (1), Pascal Cyprian (1).