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Maurerwochen beim VfL

Maurerwochen beim VfL

VfL Bochum – HSV Herbede 2 24:21 (12:11)

Nach dem starken Start in das Handballjahr 2020 mit zwei Punkten in Sprockhövel stand eine Woche später im letzten Hinrundenspiel die Zweitvertretung des HSV Herbede ins Haus. Herbede war mit ebenfalls neun Minuspunkten direkter Tabellennachbar des VfL, bei dem Trainer Rob Fischer nach überstandenen Knieproblemen zumindest wieder auf der Trainerbank Platz nehmen konnte. Aus Bomberstaffel wurde wieder Fischer-Sieben, das Gesicht der Mannschaft auf der Platte sollte jedoch gleich bleiben. Über eine grundsolide Abwehr sollte gegen konditionell schwächere Gäste konsequent das Tempospiel angezogen werden, um das Spiel ab Minute 45 in sichere Fahrwasser zu bringen. Die personelle Situation hatte sich beim VfL etwas angespannt, hatten sich doch mit Jannik Kocian und Torben Aspöck sowie Julius Kirschner wichtige Stützen entweder verhindert oder krank gemeldet. Sportliche Brisanz, die Wundertüte VfL, eine Heimmannschaft mit richtig Bock auf Handball und der krönende Abschluss eines Heimspieltags in der Festung am Lohring. Eine bessere Gestaltung für einen frühen Samstagabend – nur schwer vorstellbar.

Aus den Startlöchern kam die Partie mit ordentlichem Tempo, nur die Konzentration war offensichtlich noch nicht mit dabei. In den ersten Minuten dominierte die Bochumer Abwehr vor Torwart Dennis, der Ball um Ball frei vor der Bude und gefühlt sogar hinter der Linie herzauberte und sich seit Wochen in bestechender Form zeigt, und erlaubte dem VfL das gewohnt starke Tempospiel. Über 2:1 und 4:2 konnte sich das Heimteam beim 6:2 in der 11. Minute erstmals absetzen, hatte aber zu diesem Zeitpunkt bereits die ein oder andere klare Chance vor dem gegnerischen Tor liegen gelassen. Über 7:5 und 9:7 konnte sich Herbede durch starkes Spiel mit dem Kreisläufer und daraus resultierende Siebenmeter wieder herankämpfen. Die Fischer-Sieben mauerte hinten wie gewohnt, musste sich aber im Angriff eine mangelnde Chancenverwertung ankreiden lassen. Beim 12:10 wenige Sekunden vor der Pause nahm das Trainerteam die Auszeit. Spielzug ansagen, klare Chance suchen, verwandeln. Soweit der Plan. Fehlpass, Gegenstoß, Gegentor. Scheiße.

Anstatt mit drei Toren Vorsprung geht der VfL mit einem Tor in die Halbzeit. Hinten hui, vorne pfui. In der Deckung findet Herbede bisher nur Lösungen, wenn durch mangelnde Kommunikation der Kreis in Szene gesetzt werden kann und im Angriff spielt das Heimteam dann klare Chancen heraus, wenn mit Druck auf die Nahtstellen der Deckung gestoßen wird. In der zweiten Halbzeit konnte Bochum wieder auf Mittelmann Alex bauen, der in der ersten Halbzeit wegen einer Wunde an der Hand behandelt werden musste.

Aus der Kabine kamen beide Mannschaften im Stile von Schwergewichtsboxern nach den ersten vier Runden. Das hohe Tempo der ersten Hälfte war einem deutlich behäbigeren und kämpferischen Spielstil gewichen, in dem gerade die wieder in dunklem Blau spielende Heimmannschaft nicht mehr so konsequent die Spezialistenwechsel der Gäste bestrafte. Über 13:12 und 14:14 konnte Herbede aus dem gebundenen Spiel mit wuchtigen Würfen aus dem Rückraum schneller Lösungen präsentieren und ging beim 15:16 zum ersten und einzigen Mal im Spiel in Führung. Wie bereits in den Spielen gegen Riemke und Sprockhövel in den vergangenen Wochen ging jedoch auch jetzt kein Bruch durch das Bochumer Spiel. Tore durch Leo und Daniel nach einer Parade von Dennis drehten das Spiel innerhalb von einer Minute. Das Spiel war von einer fiebrigen Hektik erfüllt, innerhalb von wenigen Minuten mussten sowohl beim VfL als auch beim HSV mehrere Spieler mit Zeitstrafen auf der Bank Platz nehmen. Höhepunkt der unruhigen Minuten war die berechtigte rote Karte für den in der zweiten Halbzeit blasseren Kreisläufer der Gäste, der Alex voll im Gesicht erwischte. Beim 18:17 war für spannende letzte zehn Minuten alles angerichtet. Sowohl beim 19:18 als auch beim 20:19 hatte Herbede stets eine Antwort auf die Tore der Bochumer parat. Knackpunkt der Partie sind aber die letzten fünf Minuten. Bochum setzt sich durch einen starken Abschluss von Rechtsaußen mit 22:20 ab, hält hinten dicht gelangt nach Fehlwürfen auf beiden Seiten in der 59. Minute wieder in Ballbesitz. Nach einmal Durchspielen gelangt der Ball halblinks zu Schwabi. Bochums eigener Spätzlebomber vernascht seinen Gegenspieler auf dem Moritz-Fiege-Deckel und macht mit dem 23. Tor der Heimmannschaft den Deckel auf das Spiel. Am Ende stehen beim 24:21 zwei Punkte, jede Menge schwitzige Hände und heiser geschriene Kehlen und die Erkenntnis, dass auf dem Feld beim VfL richtig was zusammenwächst.

Die einzelnen Zutaten stimmen und wie Altmeister Paul so schön sagte: „Moritz Fiege hätte das nicht besser brauen können.“

Wie so oft in den letzten Wochen ist der Star erneut die Mannschaft. Zu keiner Phase des Spiels zeigen sich Risse im Mannschaftsgefüge und auch die Spieler mit weniger Einsatzzeiten stellen sich in den Dienst der Truppe. SO geht Handball, so geht Teamsport. Bochum stellt konsequent die blaue Wand und trifft in den entscheidenden Situationen das Tor. Manchmal ist Handball so einfach. Aus der Mannschaft heraus ragen als Turm in der Abwehrschlacht Halbrechter Patrick und als verdienter Spieler des Spiels Torwart Dennis. Die Hinrunde schließt der VfL Bochum mit 15:9 Punkten auf Platz Vier ab. Nächstes Wochenende startet die Rückrunde mit dem Heimspiel gegen Beckhausen, die sich in der Tabelle sicherlich unter ihren sportlichen Möglichkeiten präsentieren.

Für den VfL gekämpft und gesiegt haben: David Peters (TW), Dennis Kocian (TW), Max Birkemeier (3/1), Patrick Bräuter (4), Alex Cousen (2), Moritz Wetzel (3), Niklas Willrodt, Paul Ruppersberger, Dominik König (5), Daniel Verhoeven (3), Leo Hadram (4).