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Hinten Klatsch, vorne Bumm.

Hinten Klatsch, vorne Bumm.

VfL Bochum – FC Schalke 04 III 32:26 (16:13)

Blau trifft Blau, Pottmetropole trifft Pottmetropole, Bochum trifft Schalke. Nach dem knapp verlorenen Auswärtsspiel in Wanne in der Vorwoche hatte der VfL sich und die Heimfestung am Lohring richtig herausgeputzt, um die Drittvertretung des FC Schalke 04 zu empfangen. Gegen die Gäste aus Herne-West hatte die damals stark ersatzgeschwächte Fischer-Sieben in der Hinrunde mit das schlechteste Saisonspiel abgeliefert und vollkommen zurecht 28:19 verloren. Seit dem Riemke-Spiel hatte der VfL jedoch nur zwei Spiele verloren, beide mit einem Törchen und man munkelte, dass die Rabaukentruppe mit der Tüte Buntes im Arm allmählich Züge einer ernsthaften Mannschaft annahm. Neben der Gelegenheit, die Scharte aus dem Hinspiel auszumerzen, machte auch die Tabellensituation die Bochumer heiß wie Frittenfett. Die Gelsenkirchener Vorstadtsportler und den Handwerksbetrieb „Blaue Wand und Söhne“ aus Bochum trennte nach Minuspunkten nichts, nach Pluspunkten zog Schalke nur wegen der weniger absolvierten Spiele den Kürzeren. Personell hatten sich Spätzlebomber Schwabi und Mittelmann Alex als Rückraumoptionen abgemeldet, was in Kombination mit  einem lädierten Wurfarm beim Halbrechten Patrick -böse Zungen behaupten, er würfe mit Links seither fester und genauer- die Rückraumoptionen für das Trainergespann Fischer/Stroop arg limitierte. Hoffnung machten die vorhandenen Rückraumspieler und die Rückkehrer, bei denen gerade der von der Verletzung genesene Marius und Re-Import Fabi die rechte Seite entlasteten. Kein Plan der Trainer übersteht aber den ersten Spielerkontakt, daher Schwamm drüber, Harz an die Pfoten, Anpfiff.

Auf der Platte begann das Spiel wie eigentlich die meisten VfL-Spiele der letzten Wochen. Bochum knallte den ersten Ball nicht ins Tor, den zweiten auch nicht, machte dann aber aus einem Gegenstoß und konsequent vorgetragener zweiter Welle doch die ersten drei Hütten der Partie.  Über 3:1 und 5:2 konnte Bochum sich in den ersten Minuten auf Torhüter David verlassen, der im wahrsten Sinne des Wortes hinten den Kopf für seine Farben hinhielt. Bereits in dieser Phase fiel auf, dass die Schalker oftmals lange Kreuzungen im Rückraum spielten oder den kleinen Kreisläufer über Bodenpässe anspielen wollten. Bis zur 20. Minute konnten die Gäste begünstigt durch technische Fehler des Heimteams und mangelndes Zusammenspiel zwischen Torwart und Block das Spiel drehen und mit 8:9 in Führung gehen. Zu allem Überfluss verletzte sich Kreisläufer Niklas beim Herausholen eines Siebenmeters schwerer am Knie. Gute Besserung an dieser Stelle. Der heute in den dunkelblauen Trikots auflaufende VfL stellte sich allerdings nach einer kurz zuvor genommenen Auszeit besser auf das gebundene Spiel der Gäste ein und verteidigte nicht mehr so offensiv, was klarere Schussbilder für die Rückraumschützen und kaum noch Platz für den Kreisläufer der Königsblauen bot. Als direkte Folge landeten mehr Bälle entweder in den wartenden Pranken der Abwehr oder den krakenhaften Gliedmaßen des Schnappers. Vorne begannen die großen Backstein-Festspiele. Mit tatkräftiger Unterstützung durch Springfloh Leo riss Mittelmann Moritz das Angriffsspiel an sich, erzielte in den Minuten vor der Pause vier wichtige Tore und führte die Bochumer mit 16:13 in die Kabine.

In der Halbzeit nahm sich der VfL vor, das Spiel mit genügend Köpfchen und dem nötigen Fokus weiter und zu Ende zu spielen. Wie so oft in dieser Saison hatte man den Gegner nur stark werden lassen, wenn man selbst nicht mehr die nötige Konzentration und Intensität aufbrachte. In der mit vielen Nickeligkeiten sehr körperlich geführten Partie ließen die Schiedsrichter lange laufen, der nötige Zug zum Tor war also auch für Zeitstrafen entscheidend. „Dahin gehen, wo es weh tut, den Kopf aber beim Spielen nicht ausschalten“ musste also die Devise lauten.

Aus der Pause kommend brauchte Bochum knappe zwei Minütchen, um den Schlafsand aus den Augen zu reiben. Schalke kam durch zwei schnelle Tore heran, erzielte so den Anschlusstreffer und setzte den VfL unter Zugzwang. Wo im Hinspiel noch Unsicherheit und technische Fehler regierten, zeigte die Fischer-Sieben, wie weit die Reise inzwischen gegangen ist. Leo aus dem Rückraum, Max von außen, Parade hinten. 18:15 und Ballbesitz. Durchatmen, der erste Sturm ist überstanden. Im zweiten Durchgang entwickelt sich ein Hin-und-Her ohne richtigen Spielfluss. Beide Mannschaften spielen lange Angriffe, bei denen die Überlegenheit des VfL im zerfahrenen Spiel vor allem aus der individuellen Klasse kommt. Bochum ist besser, weil Bochum die besseren Spieler hat, die diese höhere Qualität auch auf die Platte bringen. So einfach kann Handball sein. Die Überlegenheit kondensiert in einzelnen schnappschusshaften Szenen, die diesen Sport so wunderbar wiedergeben. Ein gehaltener Siebenmeter vom heute gut aufgelegten Schnapper, Springfloh Leo aus luftiger Höhe über den Block bei angezeigtem Zeitspiel oder Ersatzstratege Paul, der mit der ganzen Erfahrung von gefühlt 23756398 Handballspielen den Paul-Ruppersberger-Gedächtniswurf um Abwehrspieler und Torwart herum ins Tor streichelt. Über 21:18 und 24:20 kann der VfL bis zur 55. Minute seinen Vorsprung auf fünf Tore ausbauen und spielt in den letzten Minuten das Spiel gegen die Gäste in Weiß souverän zu Ende. Langen Angriffe mit klar herausgespielten Wurfpositionen kann sich nur der Gelsenkirchener Schnapper entgegensetzen, der mit einigen starken Paraden in den letzten Minuten Schalke länger als nötig in erweiterter Schlagdistanz halten kann. Am Ende hilft’s aber trotzdem nicht. Als Schlusspunkt darf Mittelmann Moritz, der im Nebenberuf übrigens Backsteine auf Baustellen wirft, die Harzpille ein letztes Mal in die Maschen schweißen. Mit einem leistungsgerechten 32:26 pfeift das Schiedsrichtergespann ab. Die zwei Punkte bleiben in der Festung am Lohring, den Gästen bleibt auf der Rückfahrt mehr als nur ein königsblaues Auge. Revanche geglückt, Wanne korrigiert.

Der VfL Bochum verteidigt gegen Schalke die Festung Lohring und hat die Trainingsinhalte aus der Woche gut umgesetzt. Insbesondere die linke Angriffsseite mit Moritz, Leo und Max zeigte sich sehr spielfreudig und mit 22 von 32 Toren auch ordentlich schießwütig. Der Star ist jedoch wie so oft in den letzten Wochen die Mannschaft. Sind es in dieser Woche die oben erwähnten Spieler, kann sich Bochum in den kommenden Wochen vor allem auf ein funktionierendes Mannschaftsgefüge verlassen. Egal, wer auf der Platte steht, Moral und Einsatz stimmen und machen den VfL sehr schwer auszurechnen und ebenso schwer zu schlagen. Spieler des Spiels wird Mittelmann Moritz, der heute mit neun erzielten Toren auch Topscorer ist. Die Schmach des Hinspiels ausgemerzt, wieder in die Erfolgsspur gefunden und dann auch noch warmes Wasser unter der Dusche. Die Mannschaft lässt nach dem obligatorischen Kabinenselfie den Abend unter gütiger Mithilfe des Triumvirats von Andi Musik, Andi Kamera und Andi Theke in nicht näher benannten Lokalitäten von zweifelsfreiem Leumund ausklingen. Hat Spaß gemacht, gerne mehr davon, ihr Halunken.

Weiter geht es für die Fischer-Sieben nach einem spielfreien Wochenende am 29.02. in Recklinghausen. Gegen die Eisenbahner wartet der nächste Gegner, mit dem noch eine Rechnung zu begleichen ist.

Der Spruch des Spiels ist gleichzeitig titelgebend und stammt von Schnapper David, der den zur zweiten Halbzeit gefassten Plan zur Erringung der beiden Punkte sehr einfach zusammenfasst: „Hinten Klatsch, vorne Bumm.“ So einfach lässt sich das Spiel mit dem klebrigen Rund beschreiben.

Für den VfL die Blau-Weiß-Verhältnisse in der Kreisklasse klargerückt haben: David Peters (TW), Robert Benning (TW), Max Birkemeier (4/1), Patrick Bräuter, Moritz Wetzel (9/3), Niklas Willrodt, Paul Ruppersberger (1), Daniel Verhoeven (2), Torben Aspöck (2), Leo Hardam (9), Marius Siebert, Julius Kirschner (4), Fabian Stenmanns (1).